Aufsatz 
Proben aus dem Handbuche der französischen Sprache und Literatur / vom Prof. Dr. Braunhard
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

durch diese Zugabe mindestens das Ziel, dass die reiferen und besseren Schüler des Gymnasiums diesen letzten Ab- schnitt unseres Handbuches der franz. Sprache auf denjenigen Schulen, wo der Lehrer die franz. Literatur vorzutra- gen, aus Mangel an ihm dafür überwiesenen Lehrstunden, sich behindert sieht, zum Gegenstande ihrer Privat- lectüre machen können, wozu der geschickte Lehrer sie bei vorkommender Gelegenheit zu veranlassen und zu be- stimmen wissen wird. 4

Indem der Unterzeichnete in Vorstehendem den Plan und die Anlage des von ihm in Verbindung mit mehre- ren Gelehrten beabsichtigten Handbuchs der franz. Sprache und Literatur hinreichend nachgewiesen zu haben glaubt, fordert er die geehrten Directoren und Collegen der Gymnasien Deutschlands, in deren Hände der Unterricht in den neueren Sprachen gegeben ist, im Namen der guten Sache nationaler Bildung hiermit dringend auf:

1) ihm ihre Wünsche, Ausstellungen, Vorschläge, Ansichten frei und offen, in dieser oder in jener Be- ziehung, baldigst mitzutheilen, welche alle mit grösstem Danke aufgenommen und bestens berücksichtigt werden sollen;

2) sich darüber gefälligst zu erklären, ob sie woran wir durchaus nicht zweifeln das Unternehmen dadurch zu fördern gesonnen sind, dass sie sich für die Einführung desselben auf dem deutschen Gymnasium ermunternd und insofern bestimmt aussprechen, als das Buch dem Plane und der Anlage gemäss und in vo-stendeter Cor- rectheit unter gewissenhafter Berücksichtigung aller an den Unterzeichneten zu adressirenden Wünsche(über alles dahin Gehörige wird die Vorrede erforderliche Auskunft und Rechenschaft ablegen) ihnen vorgelegt werden wird. 1

In Betreff der Corraneenntertiν des Werkes, sey kurz bemerkt, dass dieselbe, streng wissenschaftlich gehalten, den verschiedenen Bildungsstufen entspricht, für welche sich jedes einzelne Lesestück eignet, und der Unter- zeichnete wird sich erlauben, nach seiner subjectiven Ansicht, bei jedem Lesestücke die entsprechende Bildungsstufe kurz anzudeuten. Die Manier endlich, in welcher die verschiedenen Erklärungen gegeben werden, wird sich an die von Conrad von Orelli(vergl. dessen franz. Chrestomathie, Zürich bei Schulthess, 2. Aufl.), von Dr. Ed. Hoche, Kissling und von anderen Gelehrten befolgte anschliessen; die von uns zu gebenden Proben aber werden bewei- sen, in wiefern wir die Erklärungsweise unserer Vorgänger durch streng wissenschaftliche Gründlichkeit zweckmässiger zu gestalten im Stande seyn werden; von einem sogenannten Vocabulaire kann natürlich die Rede nicht seyn, und verweis't Unterzeichneter den Leser, um seine Ansichten über dergleichen Dinge näher kennen zu lernen, auf die von ihm in d. N. Jahrbb. f. Phil. u. Päd. Bd. 54. Hft. 1. S. 93 97. gegebenen Recensionen französischer Werke.

Für die Pategrität des Teæxltes der gewählten Lesestücke bürgt die getroffene Massregel, dass dieselben nur nach den anerkannt besten Pariser Originalausgaben französischer Classiker(wie z. B. dergleichen in dem rühmlichst bekannten Verlage von Firmin Didot frères à Paris erschienen sind) revidirt und abgedruckt werden sollen.

Von dem redlichsten und uneigennützigsten Streben für die Wissenschaft und nationale Bildung beseelt, wünscht der Unterzeichnete dem Unternehmen von Seiten seiner geehrten Herren Collegen diejenige allge- meine Berücksichtigung und Würdigung, die dasselbe verdient.

Ueber diesen Prospectus haben sich nun aus verschiedenen Ländern Deutschlands acht- bare Stimmen vernehmen lassen, deren Urtheile dem gelehrten Publikum mitzutheilen, ich mich im Interesse der Wissenschaft bewogen fühle.

Herr Dr. H. Stevenson, Lehrer am Gymnasium zu Cassel, schreibt darüber an Herrn Director Dr. Weber daselbst, wie folgt:.

Die Aufgabe, die sich Herr Dr. Braunhard gestellt hat, dem Gymnasium eine seinen Bedürfnissen entsprechende französische Chrestomathie anzubieten, verdient jedenfalls die Achtung aller Derjenigen, die sich um den Unterricht der neueren Sprachen kümmern und ihr Mögliches thun, denselben zu befördern.

In der weiteren Entwickelung seines Schreibens verwirft Herr Dr. Stevenson die Auf- nahme politischer Reden. Was den Punkt betrifft, so darf sich die Ansicht beruhigen, dass wir vielleicht zu viele Reden politischen Inhalts aufnehmen möchten: Alles, was wir aufnehmen, beschränkt sich auf inhaltreicheBruchstiücke aus Reden von Mirabeau und auf das Plaidoyer pour la défense de Louis XVI, von Raymond de Sèze. Von Reden seistlichen Inhalts wird der Sermon sur le Jubilé séculaire de la monarchie Prussienne par Ancillon Aufnahme finden, und von academischen Reden der Discours prononcé par Mr. Thiérs, le jour de sa réception à l'académie française(13 Décembre 1834).

Aller Sorgfalt ungeachtet sind nachstehende leichtere Verschen nachträglich im Handbuche zu verbessern; S. 19. lese man ce qu'ils doivent anstatt: ce qui doivent; S. 25. lese man villes aust.: viles; S. 44. J. m.: II n'* ³ pas anst.: II n'y pas; S. 61. unter mouvoir. 1. m.: dun homme anst.: d' hun homme;§. 65. unter Gerire, l. m.: qu' ils ont aust.: qu' il ont; S. 67. ergänze man nach PEINDRE, plaindre; S. 76. hat die mangelhafte, Note ihre Berichtigung S. 174. unter Nro. 6. bereits gefunden..

Vgl. N. Jahrbb. f. Philol. und Pädag. 54. Band, 2. Heft, November 1848.