Aufsatz 
Der hercynische Wald der Alten / [von Joseph Braun, Rector]
Entstehung
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welches ſich auch ſchon daraus ergibt, daß er bei der Erwähnung dieſes Gegen⸗ ſtandes eine Stelle aus Julian anführte) Mag nun Suidas im 10., 11. oder 12. Jahrhunderte gelebt haben, wo bereits von unſerm jetzigen Harzwalde die erſten Spuren ſich finden, ſo entbehren doch ſeine Nachrichten jedes Zuſammen⸗ hanges mit dieſem Gebirge.

Und ſo ſchließen wir hiermit dieſe Zuſammenſtellung der allerdings äußerſt magern Berichte der Alten über den hercyniſchen Bergwald; es ſei uns nur noch erlaubt, einige allgemeine Bemerkungen beizufügen. Die Römer nennen unſern Wald bald silva und saltus, bald mons und jugum; bei den Griechen aber heißt er d9 ο und 51. Wir haben in den vorhergehenden Erörterungen das Wort immer und überall auf einen mit Wald bedeckten Gebirgszug angewendet. Aber ſollte dieſes auch zu rechtfertigen ſein? Daß die Römer unter süva hier eine mit Waldungen gekrönte Bergkette verſtehen, ergibt ſich auf das Evi denteſte ſchon daraus, daß dieſelbe auch saltus eine Bergwaldung, ein Wald⸗ gebirge mons oder montes ein Gebirge und jugum ein zuſammen hangender Gebirgszug genannt wird. Auch reden ſie hauptſächlich und mit Beſtimmtheit nur in dem Theile Germaniens von silvis und montibus, in welchem in der That anſehnliche Gebirge emporragen. Unſer Vaterland war aber auch in jenen fernen Zeiten keine menſchenleere Einöde, über welche Urwälder, rauſig und unermeßlich, ſich weithin ausdehnten; es war ein wohl bevölkertes and*). Die großen Wälder ſind daher auch in jenen Zeiten, wie noch heute zu Tage, in gebirgigen Gegenden zu ſuchen; denn die Ebenen wurden, wenn ſie anders nicht ſumpfig waren, theils zum Ackerbau benutzt; theis weideten Heerden auf denſelben. Und ſo ſind wir denn überzeugt, den hercyniſchen Wald als eine germaniſche Gebirgskette, d. h. als eine mit Waldungen bedeckte, annehmen zu dürfen.. Aber wo haben wir denn nun endlich dieſe lang geſtreckten und waldbedeckten Bergketten zu ſuchen? Nach den älteſten Nachrichten, nämlich nach denen des Ariſtoteles, breitet derſelbe ſich an den Quellen des Iſters der Donau aus, und die meiſten andern Flüſſe, die an dem Waldgebirge entſpringen, nehmen ihren Lauf gegen Mitternacht. So hätten wir den hercyniſchen Wald im Norden der Donau zu ſuchen; denn der Neckar, die Fulda und Werra(Weſer), die Saale und Elbe u. a. ſtrömen von den Bergen des ſüdlichen und mittleren Deutſchlands

103) Julian ſelbſt erwähnt in ſeiner Satyre Maοπινν, S. 93 nur beiläufig des

EOxννοο υιμσς.

104) Schmidt, Geſch. der Deutſchen, I. B. S. 20.Die alten Schriftſteller, durch die

Auswanderung ſo vieler Völker zur Zeit der großen Völkerwanderung ganz in Erſtaunen geſetzt, hielten Deutſchland für ein ungemein volkreiches Land.