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Eine reichere und zuverläſſigere Quelle, als die bisherigen, iſt C. Cornelius Tacitus, geb. um das J. 53 n. Chr. und noch lange lebend und wirkend unter der Regierung des Trajan. Germaniens Grenzen ſind, nach dieſem für alle Völker und Zeiten ausgezeichneten Geſchichtſchreiber, im Norden der Ocean, im Oſten Sar⸗ matien und Dacien, im Süden die Donau und im Weſten der Rhein*). So wie Cäſar glaubt, die Gallier ſeien einſt mächtiger geweſen, denn die Germanen““), und hätten in früherer Zeit erobernd den Rhein überſchritten; ſo heget auch Tacitus die gleiche Meinung, und es iſt ihm ganz glaublich, daß auch Gallier nach Ger⸗ manien hinübergewandert ſeien. So wohnten, ſeinem Berichte zufolge, namentlich Helvetier zwiſchen dem hercyniſchen Walde und dem Rhein⸗ und Mainſtrome, und weiterhin hatten ihre Wohnſitze die Bojer— beide galliſche Völker*). In dieſen Gegenden ſind auch diejenigen deutſchen Volksſtämme zu ſuchen, welche Tacitus, weil ſie zinsbare Aecker anbauten(qui decumates agros exercent), nicht zu den eigentlichen Germanen zählen will. Er nenntſie leichtes galliſches Geſindel, das, aus Armuth verwegen, ſich eines Bodens von ſo ungewiſſem Beſitze bemächtiget habe**). Jenſeits dieſer wohnen nun, von dem hereyniſchen Walde an beginnend, die Chatten(Catten), nicht in ſo flachen und ſumpfigen Gegenden, wie die übrigen Völkerſtrecken, in welche Germanien ſich ausbreitet. Es zieht ſich eine Hügel⸗ reihe dahin, die allmählich verſchwindet, und ſeine Chatten begleitet der hereyniſche Wald und verläßt ſie dann endlich*—). 1
Wo der Chatten Wohnſitze lagen, iſt bereits oben erinnert worden. Von dem daſelbſt erwähnten Schiefergebirge an breiteten ſie ſich nämlich über den Vogelsberg, den Speſſart und das Rhöngebirge aus bis zum Steiger Walde in Franken. Sie wohnten alſo vor dem Thüringer Walde; denn dieſer erſcheint hier als der hercy⸗ niſche. Hätten aber ihre Wohnſitze ſich hinter demſelben befunden, und wäre dieſer ihnen gleichſam eine Schutzwehr geweſen in gefährlicher Zeit; dann würde dieſes tapfere Volk ſich nicht ſo leicht zur Ruhe gefügt und Geiſſel geſtellt haben, als der Legat L. Pomponius, vierzig Jahre nach der varianiſchen Niederlage, einige Vor⸗
68) Germania, cap. 1..
69) Caesar de bello Gall. VI, 24 et 25.
70) Germania, cap. 28. Validiores olim Gallorum res fuisse, summus auctorum divus Julius tradit; eoque credibile est, etiam Gallos in Germaniam transgressos.— lgitur inter Hercyniam silvam, Rhenumque et Moenum amnes, Helvetii, ulteriora Boji, Gallica utraque gens, tenuere.
71) Eodem, cap. 29.
72). Eodem, cap. 30. Ultra hos Chatti initium sedis ab Hercynio saltu inchoant, non ita effusis ac palustribus locis, ut ceterae civitates, in quas Germania patescit. Durant siquidem colles, panlatimque rarescunt; et Chattos suos saltus Hereynius prosequitur simul atque deponit.


