Aufsatz 
Der hercynische Wald der Alten / [von Joseph Braun, Rector]
Entstehung
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jenem entſpringet, der galliſchen Stadt Rauraeum jetzt Augſt bei Baſel) gegenüber der Iſter ²), womit auch Tacitus**) übereinſtimmt. Dieſe Gebirgskette iſt alſo der heutige Schwarzwald. Des hercyniſchen Waldes gedenkt zwar Pli⸗ nius in mehrern Stellen; aber nirgends beſtimmt er auch nur mit einiger Genauig⸗ keit ſeine Lage und Größe. Bald breitet derſelbe ſich aus im Innern Germaniens und ſteht an Größe hinter keinem Gebirge des Landes*)), bald erſtreckt er ſich über die nördlichen Gegenden, und in ſeinem Innern hält ſich eine ungewöhnliche Art von Vögeln auf, deren Gefieder glänzet durch das Dunkel der Nacht). Doch bereits Tacitus erklärt dies für eine Fabel). Endlich haben wir auch, nach Plinius, den hercyniſchen Wald im ſüdöſtlichen Germanien zu ſuchen und hier auf der Nordſeite der Donau). Denn zwiſchen dieſem Strome und dem genannten Walde wohnen, reichend zu dem pannoniſchen Winterlager Carnutum, bis wohin ſich die Ebenen und Felder erſtrecken, die Jazygen, ein ſarmatiſches Volk, während auf den Waldhügeln ſelbſt, nämlich den hereyniſchen, die von dem eben erwähnten Volke vertriebenen Dacier bis zu dem Fluſſe Parthiskus(Theiß?) hin hauſen. Aus dieſen ſchwankenden Beſtimmungen kann auch ein nur einigermaßen ſicheres Re⸗ ſultat nicht erzielt werden, und nur ſo viel läßt ſich denſelben entnehmen, daß Plinius, nach dem Beiſpiele ſeiner Vorgänger, die Gebirgszüge des ganzen inneren Deutſch⸗ lands zum hercyniſchen Walde rechnet. Er, der fleißige Sammler, war nie an Ort und Stelle, wiewohl er ſich eine Zeit lang in Germanien aufhielt; er ſchrieb nur das nieder, was er durch Hörenſagen erfuhr und wie Manches mußte da⸗ durch entſtellt werden)? Fama crescit eundo, und ſo wuchs auch durch die Sage der hercyniſche Bergwald.

60) Vergleiche mein Handbuch der Erdkunde von Europa, J. B. S. 368.

61) Plinii hist. natur. IV, 23, Inde ostia Istri. Ortus hic in Germaniae jugis montis Abnobae ex adverso Raurici Galliae oppidi, multis uitra Alpes millibus, ac per innumeras lapsus gentes Danubii nomine, immenso aquarum auctu, et unde primum Illyricum alluit Ister appellatus, sexaginta amnibus receptis, medio ferme numero eorum navigabili, in Pontum vastis sex fluminibus evolvitur.

62) Taciti Germ. cap. 1. Danubius, molli et clementer edito montis Abnobae jugo effusus, plures populos adit, donec in Ponticum mare sex meatibus erumpit; septimum enim os paludibus hauritur. Ueber die Schreibung des Namens Abnoba vergl. des Tacitus Germania, vollſtändig erläutert von Dilthey, S. 38.

63) Hist. nat. XVI. 2.

64) Hist. nat. X. 67. In Hercynio Germaniae saltu inusitata genera alitum accepimus,

quarum plumae ignium modo colluceant noctibus. Vergl. auch Jul. Solinus, ca.

65) Annal. II. 24. Ut quis ex longinquo revenerat, miracula narrabant vim turbi- num, et inauditas volucres, monstra maris, ambiguas hominum et belluarum formas visa sive ex metu credita.

66) Hist. nat. IV, 25.

67) Minola, Ueberſicht u. ſ. w. Vorr. VIII.