11
Der hercvniſche Wald aber, über welchen Marbod die Markomannen aus dem Thale der Donau führte, muß wohl der jetzige Böhmer Wald geweſen ſein, der durch das Fichtelgebirge und den Frankenwald ſich an den Thüringer Wald anſchließt, in deſſen Norden die Cherusker ihren urſprünglichen Sitz hatten, ſpäter aber mit den Markomannen oder einem anderen ſueviſchen Volke, etwa den Her⸗ munduren, hier in Germaniens Mitte zuſammengrenzten. Dies erhellt noch mehr aus des Druſus letztem Heereszuge— 9 v. Chr. Siegend ging dieſer durch das Land der Chatten; kämpfend drang er bis zu den Sueven vor. Von da ſich aber wendend gegen der Cherusker Land, ſetzte er über die Weſer und kam unter unausgeſetzten Verheerungen bis an die Elbe.„Ohne ſich an dieſes Alles— nämlich die ungünſtigen Vorbedeutungen— zu kehren, erzählt Dio Caſſius, ging Druſus gegen die Chatten, und obgleich er in's Süevenland vordrang; ſo ward ihm doch jede Eroberung mit jedem Schritte erſchwert, und jeden Sieg mußte er mit Blut erkaufen. Von da ging er in das Gebiet der Cherusker über, ſetzte über die Weſer und rückte, Alles vor ſich her verwüſtend, bis an die Elbe vor 0).„ Die Chatten aber wohnten theils auf dem weit ausgedehnten Schiefergebirge, das ſich von dem öſtlichen Taunus und dem Vogelsberge bis tief in die jetzige Provinz Weſtphalen hineinzieht, theils dehnten ſich ihre Wohnſitze aus über den Speſſart und das Rhöngebirge bis zum Steiger⸗Walde*). Das eben erwähnte Schiefer⸗ gebirge haben die Römer aller Wahrſcheinlichkeit nach nie ganz im Beſitze gehabt; denn der unfreundliche Himmel und der ſteinige, karge Boden— mehr aber noch die Unannehmlichkeiten und Beſchwerlichkeiten der Wege verſcheuchten das räuberiſche Volk aus dieſem Erdwinkel. Daher zogen auch ſeine Heere bei ihren Einfällen in unſer Vaterland jedesmal an dieſer unwirthbaren Gebirgsſtrecke vorüber, ſo daß dieſelben entweder ihren Weg nördlich von dieſen Höhen durch die weiten Ebenen, oder im Süden von ihnen und zwar vom Main aus über die Fulda zur Saale und Elbe nahmen.
regni proximus ab hac parte erat, exercitum, qui in IIlyrico merebat, ducere in Mar- comannos orsus est.—.„—.„„. 36) Dio Cassius, IX, 1. 00 ⁴μιαι Qαι ⁵ε2ρνιιασι τι αἀάνιό, α ς 1½ 1ν Tν XK νυw W(cL‿εαl, zl mOOν⁶ς ⁴ν τιm Sounlas, 1 1e 2„ 2 5 1 3„ 5 Ev, rOGν Oe αἀαιαιιοας τέιαιοιιιε̈ν, zα τος τμουοσεσπμιινOιGα° 0⁴αάeν υηαμασραι mχνααν Kνπυαέι νεκν ττ˙σ τει νν XEOονασαάν εμἀεσρ⁷ τιων εσοισꝙην ‿ςe–ς, 1μα ⁴νι οο ⁴ϑνον, eιαιναάα τμοοσέων. 37)„Die Chatten ſind als ein großes und mächtiges Volk bekannt; man darf fie daher nicht auf ein ſo kleines Stück Land einſchränken, als das zwiſchen der Eder, Weſer und Dimel iſt.“ Reichard, Chr. G., Germanien unter den Römern, S. 127.— Vergl. auch Mannert, III. S. 186.— Barth, II.§. 523.— Neue geogr. Ephe⸗ meriden, VI. Bd. S. 248. 2*


