10 befindet. Für die Lehrer ist dieses Bewusstsein beruhigend, für den Direktor in Bezug auf Kollegialität angenehm. Aber gerade der gewissenhafte Lehrer fürchtet nicht allein nicht die staatliche Aufsicht, er wünscht sie geradezu: werden seine Leistungen als gute befunden, so freut es ihn, stellen sich vermeintliche oder wirkliche Mängel heraus, so kann keiner lieber als er wünschen, auf Fehler und Mängel aufmerksam gemacht, oder zu einer gegen- seitigen Aussprache veranlasst zu werden. Diese mangelnde von ausserhalb des Lehrerkörpers kommende Kritik übte nun der Lehrkörper durch die Einrichtung der Revisionen durch gegen- seitige Kenntnisnahme der Leistungen unter sich und an sich selbst.
Diese Revisionen begannen in der zweiten Hälfte des ersten Semesters. An jedem Sonntag vormittag wurde in gleichem Fach in mehreren Klassen eine Prüfung in Gegenwart des ganzen Lehrercollegiums abgehalten. Dies gab dann in der nächsten Konferenz Stoff zu einer gegenseitigen freundlichen Aussprache, aus der alle Teilnehmer guten Gewinn für ihre pädagogische Tätigkeit zogen.
Ein solches Verfahren ist aber nur für kleinere Schulver- hältnisse angängig. Für eine ausgebaute Schule mit grösserem Lehrkörper dürfte es nicht zu empfehlen sein. Einmal würde eine solche Einrichtung zu zeitraubend sein, und dann könnte bei grösserer Anzahl der Kollegen solche gegenseitige offizielle Aus- sprache, die die Tätigkeit des einzelnen Lehrers berühren muss, Miss- helligkeiten hervorrufen, da bei der grössten Zurückhaltung mancher Persönliches vermutet, wo keine Absichtlichkeit persönlich zu werden, vorlag. In Wirklichkeit hörten diese Revisionen auch nach zehnjährigem Bestand der Schule auf.
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Im zweiten Jahre kam die 2. Knabenklasse und 1855 die 2. Mädchenklasse hinzu; 1856 wurde die Schule durch Bildung der ersten Knabenklasse und 1857 durch Errichtung der ersten Mädchenklasse weiter ausgebaut. Indes war die Anzahl der Schüler so gewachsen(119 Knaben und 74 Mädchen), dass die Teilung einiger Knabenklassen als Bedürfnis erschien und man nun, statt Parallelklassen zu bilden, dazu schritt, die bisher zwei-
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