Aufsatz 
Über die Berechtigung des Idealen in der Kunst / von Fr. Braun
Entstehung
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der objectiven Welt organiſch zugeführt wird; daher iſt ſie bei allen Menſchen gleichmäßig; denn da jedes Object mit ſich identiſch iſt, ſo iſt die beſtimmte Vorſtellung, die der Einzelne von einem beſtimmten Objecte, z. B. von dieſem beſtimmten Baume, erhält, mit der aller anderen Menſchen von demſelben Gegenſtande identiſch, wie z. B. aus einer correcten Zeichnung des Baumes hervorgeht, in der alle Menſchen ihre beſondere Vorſtellung von dem Baume wieder erkennen. Anders verhält es ſich in dieſer Beziehung mit der künſtleriſch ſchaffenden Phantaſie; da dieſe in einer auf Freiheit beruhenden Thätigkeit des Geiſtes beſteht, ſo ſind auch die Bilder von ein und dem⸗ ſelben Object bei verſchiedenen Menſchen verſchieden. Z. B. Ich mache mir von einer beſtimmten Ceder vom Libanon ein ganz anderes Bild als dieſer oder jener, vorausgeſetzt daß wir dieſelbe noch nicht geſehen haben. Im Begriff der Gattung werden die einzelnen Bilder übereinſtimmen, im Begriff der Art, des beſtimmten Objects aber nicht. Ebenſo machen wir uns z. B. von Alexander dem Großen verſchiedene Phantaſiegebilde, wenn wir auch Alles wiſſen und beobachten, was man über⸗ haupt von Alexander weiß und wiſſen kann. Derſelbe Alexander nach allen ſeinen hiſtoriſchen Prädicaten ꝛc. würde als Phan⸗ taſiegebild Raphaels doch ein anderer ſein, wie als Phantaſie⸗ gebild eines Rubens. Man darf hier nur nicht an den häuſig vorkommenden falſchen Begriff von Phantaſie denken, wonach man unter derſelben in Bauſch und Bogen etwas Unwahres verſteht, wie z. B. wenn man im gewöhnlichen Leben ſagen hört: das iſt nur ſo eine Phantaſie und nichts Wahres. Er⸗ geht ſich die Phantaſie in dieſer Weiſe, ſo entſpricht ihr Gebilde gar nicht dem Object, es iſt das Object im Weſentlichen nicht treu wiedergegeben, nicht richtig verarbeitet. Auch hört man oft ſagen: Das iſt Phantaſie und keine Wirklichkeit. Dieſer Satz enthält in ſofern eine Wahrheit, als überhaupt das Ge⸗ bilde der Phantaſie von ſeinem wirklichen Objecte zunächſt immer zu trennen iſt. Entſpricht übrigens das Phantaſiege⸗ bilde im Weſentlichen dem Object, ſo iſt der Satz inſofern nicht