Aufsatz 
Über die Berechtigung des Idealen in der Kunst / von Fr. Braun
Entstehung
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richtig, als dann die höhere Realität gerade im Phantaſiege⸗ bild als dem durch den Geiſt wiedergeborenen Stoff zu finden iſt. Ich komme nun nach dem Dargelegten auf das Ideal zurück. Wir haben geſehen, wie dasſelbe entſtanden iſt, und es könnte faſt ſcheinen, als ob es mit dem Bilde der Phantaſie, das Ideale an ſich mit der bildenden Thätigkeit der Phantaſie zuſammenfiele. Dem iſt aber nicht ſo. Erſtens ſpricht die Erfahrung dagegen. Während alle Menſchen Vorſtellungen haben, viele nur ſehr wenig oder faſt gar keine Phantaſie beſitzen, andere wiederum ſich durch eine Fülle der Phantaſie auszeichnen, ſo haben doch viele, ſelbſt wenn ſie Phantaſie genug beſitzen, keine Spur von Idealität. Zweitens liegt ein Beweis dagegen im Weſen des Idealen ſelbſt. Denn wenn auch der Bildungsprozeß des Ideals im Ganzen derſelbe iſt, wie der Bildungsprozeß des Phantaſiebildes, ſo iſt doch das Weſen des Idealen ſeiner ſubſtanziellen Seite nach von dem ſubſtanziellen Weſen der Phantaſie verſchieden. Das Phantaſiebild muß ſtets ſeine Analogie in der objectiven Welt finden; es zieht aus dieſer ſeine Nahrung; es hat ſubſtanziell den empiriſchen Stoff zu ſeiner Vorausſetzung. Dagegen iſt das Ideal nicht etwa ein bloßes Abbild des empiriſchen Stoffes, ſonſt käme es nicht über die Natur hinaus wer ſollte uns ſagen, daß es etwas Schöneres und Vollkommneres gäbe, als die Natur, wenn wir nicht in unſerem Geiſte den höheren Maßſtab der Vergleichung vorfänden? ſondern es hat ſubſtanziell in unſerem Geiſte etwas zu ſeiner Vorausſetzung, das uns ſagt: Dieſes und jenes könnte ſchöner, vollkommener, edler, geſetzlicher, treuer, beſſer ſein, als es iſt. Es fällt uns nicht ein, z. B. Reflexio⸗ nen anzuſtellen wie etwa: Dieſer Eichbaum könnte ganz anders geformte Blätter haben, als er überhaupt ſeinem Begriſſe nach hat, weil die Vorſtellung davon auf einer gewiſſen Naturnoth⸗ wendigkeit, nicht auf einer Beweglichkeit des Geiſtes, die höhere Freiheit für ſich hat, beruht; aber wir ſagen wohl: Dieſe Liebe konnte reiner, edler, anſpruchsloſer ſein, weil wir etwas in uns haben, welches uns zu einer Vergleichung des beſtimmten