Aufsatz 
Über die Berechtigung des Idealen in der Kunst / von Fr. Braun
Entstehung
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Berechtigung die Frage auf: Wo kommen ſie denn aber in aller Welt her? So wenig eine Schöpfung der Welt, des Menſchengeiſtes überhaupt und unſeres individuellen Geiſtes im Beſonderen ohne Gott den Schöpfer denk⸗ und erklärbar iſt, ebenſowenig iſt ein anderer Urſprung von Genie und Talent denk⸗ und erklärbar, als der, wonach dieſe Anlagen eine beſondere, einen beſtimmten Zweck involvierende Dispoſition Gottes in der menſchlichen Seele ſind. Ebenſo verhält es ſich nun auch mit dem Urſprung des Idealen an ſich oder der idaliſierenden Thä⸗ tigkeit unſeres Geiſtes. Auch zu einer ſolchen muß der Geiſt des Künſtlers von vorn herein von Gott prädisponiert ſein. Wie alle unſere urſprünglich reinen Geiſtesthätigkeiten ihren Urſprung von Gott ableiten, ſo auch die idealiſierende Thätigkeit, und man könnte ſagen, dieſe ganz insbeſondere, weil ſich dieſe vorzugsweiſe als die Offenbarungsform eines höheren Geiſtes zeigt, ähnlich wie es ſich mit dem Gewiſſen verhält. Auch bei letzterem iſt die reine Thätigkeit desſelben eine in die Seele des Menſchen reichende Offenbarungsform des Göttlichen; und wenn wir einen Unterſchied zwiſchen den beiden Thätigkeiten, zwiſchen der idealiſierenden und der des Gewiſſens, machen wollen, ſo können wir ſie nach dem Object derſelben dahin beſtimmen, daß wir die des Gewiſſens die moraliſche, die idea⸗ liſierende dagegen die äſthetiſche nennen.

c. Von dem Jdeal im Veſonderen.

Wir gehen nun von dem Idealen an ſich zum Ideal im Beſonderen über. Das Ideal iſt das Product der idealiſieren⸗ den Thätigkeit des Geiſtes und des Objects, auf welches dieſe gerichtet iſt. Hier ſind wir nun in unſerer Darlegung zuerſt auf dem Punct angelangt, wo wir uns von dem Idealen, das bis dahin dem Reiche des reinen Denkens angehörte, als Ideal eine Vorſtellung machen können. Wir müſſen uns dasſelbe ſo denken, wie es Kant in ſeinem transſcendentalen Schematismus der reinen Vernunft mit den Kategorien in