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und Fähigkeit der Conception und Ausführung hernehme, wie er das Kunſtwerk mache. Man möchte gleichſam ein Recept, eine Vorſchrift dafür haben, wie man es anſtellen, in welche Umſtände und Zuſtände man ſich verſetzen müſſe, um Aehnliches hervorzubringen. So befragte der Cardinal von Eſte Arioſto über ſeinen raſenden Roland: Meiſter Ludwig, wo habt ihr all das Zeug her? Raphael, ähnlich befragt, antwortete in einem bekannten Briefe, er ſtrebe einer gewiſſen Idea nach.“ Hegel läßt nun dieſe Frage ganz offen und geht mit der ange⸗ führten geiſtreichen Wendung leichten Schrittes bei derſelben vorbei; und allerdings iſt es auch etwas ſehr Mißliches, wo man mit den hervorragendſten Abweichungen von der allgemei⸗ nen Regel und dem allgemeinen Geſetze hin ſoll, wenn man den menſchlichen Geiſt nach einer beſtimmten Schablone fix und fertig zuſtutzt. Will ja doch Hegel ſelbſt, daß er unendliche Thätigkeit ſein ſoll! Das aber gerade widerſpricht einem voll⸗ ſtändig abgeſchloſſenen Syſtem, in das er wie in Feſſeln hinein⸗ gezwängt werden ſoll. Hegels individueller Geiſt rang ſich in ſeinem Syſtem durch, und für ihn waren die Geſetze ſeines Syſtems auch zugleich die ſeinem Geiſte immanenten. Aber für jeden Anderen iſt doch dieſes Syſtem von vornherein nur ein äußerlich Gegebenes, und es bleibt immer noch ſehr die Frage, ob der individuelle Geiſt, wenn er in der ihm eigen⸗ thümlichen Weiſe in philoſophiſcher Entwickelung fortſchreitet, auch zu demſelben Reſultate kommt, wie Hegel. Etwa fordern zu wollen, daß ein Jeder zu demſelben Reſultate kommen müſſe, heißt nichts anderes als die Freiheit des Individuums beſchrän⸗ ken, und von dem, der zu einem anderen Reſultate gelangt, geringſchätzig denken zu wollen, iſt doch zu naiv, als daß es weiter dem Kreiſe der Betrachtung zu unterziehen wäre. Auch mit dem Angeborenſein von Talent und Genie hat Hegel ſeine Laſt; und wenn er ſagt, daß das künſtleriſche Schaffen wie die Kunſt überhaupt die Seite der Unmittelbarkeit und Natürlich⸗ keit in ſich ſchließe, und dieſe Seite vom Subject nicht in ſich hervorgebracht werden kann, ſondern ſich in ihm als unmittel⸗


