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deren zu reden; ſodann wird nachzuweiſen ſein, daß ſich das Ideale in den unbeſtrittenen Werken der Kunſt findet, und hieran werden ſich die Argumente für die Berechtigung des Idealen in der Kunſt anreihen.
I. Theil.
a. Vom Jdealen an ſich.
Was nun das Ideale an ſich betrifft, ſo läßt ſich dieſes nicht erkennen, ohne auf das Gebiet der Metaphyſik einzugehen und aus dieſem den hierher gehoörigen Stoff zu holen. Ich bediene mich hier des früher üblichen Ausdrucks Metaphyſik, obwohl man ihn in neuerer Zeit vielfach aufgegeben und durch andere erſetzt hat. Es kommt auf den Namen nichts an. Jedermann weiß, daß Kants Kritik der reinen Vernunft, Fichtes Wiſſen⸗ ſchaftslehre, Hegels Logik nichts anderes als metaphyſiſche Betrachtungen und Darſtellungen ſind. Es fragt ſich nun, welche Stelle wir dem Idealen in unſerem Geiſte einräumen, wie es mit unſeren Geiſtesthätigkeiten zuſammenhänge, ob es etwas dem Geiſte urſprünglich Immanentes oder etwas auf dem Wege ſinnlicher Wahrnehmung Erlangtes iſt. Indem wir uns dieſe Frage aufwerfen, müſſen wir, um einem Miß⸗ verſtändniſſe vorzubeugen, uns zunächſt darüber erklären, in welchem Sinne wir das Ideale hier zu verſtehen haben. Es kann nämlich einen doppelten Sinn haben. Einmal bezeichnet es die Eigenſchaft idealer Gegenſtände, wodurch ſie ſich als ideale legitimieren. Es bezeichnet alſo das, was dem Gegen⸗ ſtande den Character des Ideals gibt, das Hindurchſcheinen des Ideals durch das Object, und bildet zugleich das Kriterium, wonach wir bemeſſen können, ob ein Ideal überhaupt in dem Gegenſtande vorhanden iſt oder nicht. In dieſem Falle geht das Ideal dem Idealen voran und bildet das prius zu ihm;


