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Was Sophocles in tiefgläubiger Ahnung ausspricht, dass dem vom Unglück heim- gesuchten für ergebenes Ausharren Lohn im Jenseits zu Theil werde, wenn auch nicht durch einen glücklichen Zustand in freudenreicher Umgebung, sondern nur durch ein stilles gefriedetes Dasein ohne Noth und Kummer des irdischen Lebens, das ist bei Socrates innige Ueberzeugung. Er glaubt an eine sittliche Weltordnung, nach welcher der Mensch seiner Aufführung im Diesseits gemäss mit persönlichem Bewusstsein Ver- geltung empfange. 5¹) Plato de rep. X., 12, p. 613. Von seinen Schülern ist nur Plato auf die Höhe der Anschauung gekommen, welche wir bei Socrates bewundern, die an- deren wandten sich alsbald praktischer Lebensphilosophie zu, sich an die Cyrenaiker, Atomiker, Cyniker, Prodicus(Plato. Axioch. 365 E.) und Anaxagoras anschliessend. Plutarch. consol. ad. ad Apoll. 6 u. 27, Aristot. fragm. 83 v. 31.5²) Dieser Philosphie fehlte das Verständniss der Persönlichkeit, sie betrachtete die Seele als blose Qualität, ähnlich der verschwindenden Harmonie eines musikalischen Instrumentes, oder als Se- cretion des Blutes, als Ausdünstung des Herzens oder des Gehirns. Die Comödie kämpfte zwar gegen den Unglauben der Sophistik, gegen eine Philosophie, welche die Götter in physiologische Principien auffliegen lässt, aber was konnte sie an seine Stelle setzen? »Um den Unglauben zu besiegen, müsste sie vermögend sein, dem Glauben ein wahr- heitsgemässeres Object und hiermit ein Lebensprincip zu geben; das kann sie nicht.“ ⁵⁵) Sie ist an sich das Gegentheil von dem, was sie anstrebt und Aristophanes ist insofern von Inconsequenz nicht freizusprechen. Ebensowenig Nie die Reaction des Anaxagoras und seiner Schüler auf inniger Andacht an die alte Religion beruhte, gab die Comõödie ein Surrogat für ächt religiöse Mittel zur Erhebung des Gefühles ab. Die Masse schaute geistlos nach Zeichen und Orakeln, oder gab sich Betrügern und Gauklern hin. Wie auf der anderen Seite die fanatische Bigotterie zu Parteizwecken benutzt worden, wenn das Gewissen des Volkes aus dem Taumel erwachte, ist sattsam bekannt. Aus Plutarch. de consolatione ad Apoll. und aus den Tusculanen des Cicero, welcher die alten Trost- schriften des Theophrast und Crantor kannte und bei seinem leider verlorenen Werke benutzte, geht hervor, dass man die Furcht vor dem Tode durch Hinweis auf die mannig- fachen Leiden des menschlichen Lebens, auf die Unbeständigkeit des Glückes und durch Vorführung von Beispielen schönen Sterbens zu bekämpfen suchte. Cicero und Catilina sagen, dass die Lehre von der Vergeltung nach dem Tode eine vor Zeiten gehegte Meinung gewesen sei. Sal. Catil. V., Juven. Sat. II., 149.
C. I. Nro. 938, von Athen. Diogenes ist, weil er der Tugend ergeben war, zu den Unsterblichen versetzt worden. S. o.
C. I. Nro. 4703, aus Memphis. Die Inschrift spricht ganz ausdrücklich von einem Unterschied zwischen gutem und bösem Leben, demgemäss der Zustand nach dem Tode ist. Zu z00 G επμιςσν τ⁴έἀοο ϑσαφσοι efr. Aeschyl. Sept. 242 u. Eurip. Alc. 464.
C. I. Jro. 569, von Athen. Ist eine Mahnung, die übrige Zeit des Lebens gut zu verbringen mit der Aussicht auf das Haus des Pluto, das voll Reichthumes sei und nichts zu wünschen übrig lasse.
C. I. Nro. 5055 b. Epigramma messembrianum. Wir haben gottesfürchtig gelebt und haben desswegen ein seliges Loos. Cfr. 4579.
Welcher Meinung über den Zustand der Seele im Jenseits die Gebildeten theil- weise waren, geht aus der Verwunderung hervor, welche Glaukon bei den Worten des platonischen Socrates, dass die Seele unsterblich sei, ausdrückt, das sei etwas Neues und Unerhörtes. Plato de rep. II., 609. Phaed. 77 behauptet der Thebaner Kebes, es
51) Brandis II., 46. 5²) Zeller, S. 513. 53) Naegelsbach, N. Theol. 475.


