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auf den Stoff, führen aber zugleich kraft ihrer Unstofflichkeit zur höchsten Quelle des Lichtes empor. Führt der Genius des Menschen Seele bei der Geburt in den Wechsel des Stoffs und in allen seinen Trug hinein, so geleitet der Tod sie zurück zu den Sternen und erhebt sie zu einer uranischen Existenz, in welcher sie, dem himmlischen Herrn der reinen Gestirne geeint, an der Herrlichkeit des Lichtfürsten Theil nimmt.“
Unstreitig haben die Mysterien einen grossen Einfluss auf die Nivellirung der Stände, auf die democratische Entwickelung der alten Welt gehabt. Während im poli- tischen und socialen Leben scharfe Grenzen gezogen waren, stand der Zutritt zu ihnen jedem Mitglied der alten Gesellschaft offen, ohne Rücksicht auf Individualität und Stand, Freiheit und Unfreiheit. Cfr. die Inschriften von Sclavengräbern C. I. Nro. 3344 und 5398.
Zwischen Pindar und Homer ist ein grosser Unterschied. Das fortgeschrittene Bewusstsein machte höhere Forderungen.“*) Namentlich der Gottesbegriff ist bei jenem weiter entwickelt. Er zuerst, nach schwachen Andeutungen bei den Lyrikern, gebraucht den Singular 9εας. Cfr. M. Müller, Vorlesungen S. 472.
Während die homerischen Götter Zeus mehr oder weniger coordinirt sind, nehmen sie bei Pindar eine subordinirte Stellung ein. Zeus erscheint im eminenten Sinne als „Gott.“ Er gibt den anderen Göttern ihre Macht. Die Kluft aber, welche dadurch ent- steht, wird ausgefüllt durch die sittliche Bedeutung, welche ihnen gegeben wird. Das Vertrauen zu den Göttern erwacht, denn sie sind nicht mehr bloss die zürnenden, son- dern auch ohne Neid Segen und Gedeihen spendenden. Demgemäss ist seine Vor- stellung vom Zustande nach dem Tode eine andere. Bei Homer geht das Wesen des Menschen im thatkräftigen Leben auf, die lyrische Poesie, erfüllt vom Bewusstsein der menschlichen Schwäche, klagt über die Mühen und die Nichtigkeit des Lebens. Bei Dindar aber erstirbt nicht das bessere göttliche Selbst. Thren. fragm. 96 bei Bergk: Der Leib erliegt dem Tode, aber die Gestalt des Lebens bleibt zurück, denn sie ent- stammt den Göttern, sie ist der göttliche Hauch, cα νεννμααἀαά, dessen wahres Leben erst mit dem Tode beginnt. Im Jenseits gibt es eine allen gemeinsame Vergeltung, je nach dem Wandel, den sie auf Erden aufgeführt haben. Ol. II., 57. Wie überhaupt Pindar nicht auf der Bahn der Ueberlieferung geblieben ist, ohne Leichtsinn, indem sein Geist sich gegen manches, was die Mythe berichtete, sträubte, und er alles das entfernte oder umarbeitete, was mit dem moralischen Gefühle im Widerstreit stand, so hat er auch vom jenseitigen Leben eine andere Ansicht. Die Vorstellungen Homers vom Hades und Elysium sind erweitert und vertieft, die Seele ist ganz in orphischer Weise als etwas dem Leibe Fremdes in denselben hineingekommen, sie wirkt duher auch nicht mit ihm zusammen, sie trennt sich im Tode wieder von ihm, um in die Regionen der höheren Geister einzugehen. Thren. fragm. 97.5) Wie die Anhänger der orphisch- pythagoräischen Lehre glaubt auch er an eine Metempsychose. Thren. fragm. 94. Die Seelen gehen in den volksthümlichen Hades, um nach dort erlittener Strafe wieder auf die sichtbare Welt versetzt und schliesslich Heroen zu werden. Hier ist also die Metempsychose mit der Heroenidee zusammengebracht. Thren. fragm. 102 finden wir eleusinische Vorstellungen. Fragm. 95 ist das homerische Elysium weiter ausgemalt. Cfr. C. I. Nro. 6279. Von den Unseligen aber wird Ol. II., 57 ff. gesagt, dass sie im Jenseits von einem unbeugsamen Richter verurtheilt werden würden, die Seligen dagegen würden, wenn sie sich im Leben dreimal der Sünde enthalten, auf den Inseln der Seligen aufgenommen, wo sie in Wonne lebten; Homerisches, Eleusinisches und Orphisches ist vereint. Bei Pindar ist also an verschiedenen Stellen eine verschiedene Ansicht vom
31) Zeller, Philosophie der Griechen, I, 84. 32) Dronke, Ueber die religiösen und sittlichen Anschauungen Pindars in Jahn, Jbb. Supplbd. lV., 107.


