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Sie ist von nicht zu unterschätzendem Einfluss auf die Unsterblichkeitslehre Plato's gewesen, cfr. Phaedr. 245 E, de rep. X., 615 E, der, wenn auch in Manchem ganz auf dem Boden des Volksbewusstseins stehend, Phaedr. 113 D, 114 B, doch, wie die meisten der Philosophen, nur einem ausgewählten Kreise verständlich war. Nach Herodot II., 123 trugen zuerst die Aegypter diese Lehre von der Unsterblichkeit der Seele vor.**) Sie gehe, wenn ihr Körper verwese, immer in ein anderes Geschöpf ein. Wenn sie in allen Land-, See- und geflügelten Thieren herumgewandert sei, gehe sie wieder in einen Menschenleib zurück. Diese Mεοιmσι dauere für die Seele dreitausend Jahre. Nun balsamirten die Aegypter andererseits die Leichen ein, mit der grössten Sorgfalt für die Conservirung derselben, im Glauben, dass die Seele nie ohne den Körper sein könne und nicht erst zu ihrer Läuterung eine bestimmte Zeit in verschiedenen Körpern umherwandeln müsse. Das stimmt aber nicht mit der ausdrücklichen Angabe Herodots, dass sie dreitausend Jahre wandern müsse, noch auch mit Aeneas von Gaza, dass die Seele nach den Begriffen der Aegypter nur dann dahin gelangen könne, woher sie ge- kommen, wenn sie alle Gestalten, namentlich Thiergestalten, durchwandert habe,„,„gr X.ι ο εέι⁴νσας τννταανιέσςι mμυπμια ⁴εεμα⁴οο‿ Qηἀνιςsανέσοσ, ⁶νϑσέν ⁴ F00010 2ιεεν Diesen Widerspruch hat man dadurch zu lösen gesucht, dass man eine Reli- gion der Gebildeten und eine des Volksglaubens unterschied, oder dass man die Lehre von der Seclenwanderung und die Sitte des Mumisirens in verschiedene Perioden ver- legte. Bei den Indern finden wir die Seelenwanderung gleichfalls. Von ihnen kann sie jedoch den Aegyptern nicht zugekommen sein, weil sie durchaus von der Anschauung dieser abweicht. Den Indern ist sie mehr eine ενενεο⁵α, ein stets neues Werden und immer wieder verschwindendes Erscheinen des All, ganz dem pantheistischen Charakter ihrer Religion entsprechend. Die Materie ist ihnen etwas Negatives, Unreines, weil durch Abfall von dem Göttlichen Entstandenes, von der sich die Seele befreien muss, um wieéeder in das All, das Allgemeine, aufgenommen zu werden, während nach der ägyptischen Lehre die Individualität derselben gewahrt bleibt. Nach Caesar hatten die Druiden die Lehre von der Seelenwanderung gſeichfalls, was Diodorus Siculus in un- begründeter Vermuthuug auf einen Verkehr mit Pythagoras zurückführt. ³⁰) Origenes lehrte, dass die Seligen wie die Menschen auf Erden noch in einem Fortschritt begriffen seien, der sogar in einen erneuten Fall übergehen könne. Die Seligen, sagt er, aεει νό qI. cap. ult., würden zuerst an irgend einen Ort der Erde versetzt, damit sie dort gereinigt und unterrichtet würden in vielen Dingen, welche ihnen vorher unbekannt ge- wesen; in irgend welchen Räumen der Luft würden sie dann in höheres Wissen ein- geführt, bis sie zuletzt zum Schauen des letzten Grundes aller Dinge erhoben würden. Uebrigens findet sich die Seelenwanderung bei verschiedenen Völkern Asiens und Afrika's noch bis auf den heutigen Tag.
Durch das Dogma von der Seelenwanderung sind die Orphiker und Pythagoräer verbunden worden. Dadurch erklärt sich der Zagreusdienst der Letzteren. Zagreus ist mit Pluto idendificirt worden; auf ihn bauten die Orphiker ihre Unsterblichkeitslehre. Und es lag in der That auch nahe, dem Zagreusmythus eine physikalisch-philosophische Deutung zu geben. Zagreus ist die Weltseele, zerstückt in die einzelnen Thiere, Pflan- zen, Winde, Gestirne, Menschen. Das irdische Leben ist für die in die Mannigfaltigkeit sinnlicher Affecte hineingezogene, an den Leib gebundene Seele eine stete Zerreissung, wie die des Dionysos. Durch den Tod kehrt sie zur Einheit der göttlichen Substanz
2⁹) Brandis II., 434, Plato. Phaed. 72, P. Trendelenbu rg, Grundriss der Geschichte der Philo- sophie, I., 112. 30) Lessing
g, Erziehung des Menschengeschlechtes, 94 fl. C. A. Böttiger, Ideen zur Kunstmytho- logie, I., 70.


