Aufsatz 
Die eschatologischen Anschauungen der Griechen und die sepulcralen Inschriften des Corpus inscriptionum graecarum : ein Versuch / von Anselm Braun
Entstehung
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Achtung und Scheu Erweckendes gehabt haben,**) zur Zeit des Onomacritos, der seine Zeit verstand und ihre Bedürfnisse zu befriedigen wusste, wurden derartige Verhältnisse nicht mehr mit der poetischen Scheu, wie sie Homer und selbst den Aristophanes aus- zeichnet, behandelt. In jenen Enthüllungen des ewig Geheimen hat erst Symbolic, nach- her weichliche Lüsternheit geschwelgt.

Diejenigen Inschriften, welche erwiesener Massen auf Mysterien Bezug haben, stammen aus späterer Zeit und ist ihre Zahl der Klasse der anderen gegenüber gering. Das ist ganz natürlich. Es erklärt sich daraus, dass es verboten war, irgend etwas über die Geheimculte in Worten zu äussern. Ihr Inhalt musste durch das Symbol und die mythische Entfaltung desselben durch das geschriebene Wort angedeutet werden. Und in der That, man findet höhere Ahnungen, ethische und moralische Wahrheiten, Hoff- nung und Furcht auf den Wänden vieler Grabkammern mit ihren Malereien, auf Grab- steinen mit ihrer Ornamentik, auf Vasen und Gräberlampen durch Symbole dargestellt. Die menschliche Sprache ist zu arm, um die Fülle der Ahnungen, welche der Wechsel von Leben und Tod wachruft und jene höheren Hoffnungen, die der Eingeweihte be- sitzt, in Worte zu kleiden. Das Symbol schlägt alle Saiten des menschlichen Gemüthes zugleich an, die Sprache ist genöthigt, sich immer nur einem einzigen Gedanken hinzu- geben. Die Symbole sind Zeichen des Unsagbaren, unerschöpflich wie dieses, mysteriös wie nothwendig und ihrem Wesen nach jede Religion, eine stumme Rede, als solche der Ruhe des Grabes besonders entsprechend, unzugünglich dem Spott und dem Zwei- fel, den unreifen Früchten der Weisheit. Darin ruht die geheimnissvolle Würde des Symbols, die zu der Erhöhung des hohen Ernstes der antiken Gräberwelt besonders beiträgt. Darin die ergreifende Macht der mythischen Darstellungen, welche uns die grossen Thaten der Vorzeit in dem beruhigten Lichte ferner, wehmüthiger Erinnerung vor Augen stellen und so an jener Weihe Theil nehmen, mit welcher die alte Welt ihre Grabstätten in besonders hohem Grade zu umgeben wusste. Bachofe n, Gräber- symbolik, S. 46. Dahin gehören Würfel, Eier, Schuhe, Hände u. s. W. Das Gorgonen- haupt und die ausgespreizten Hände auf Grabsteinen sollen das Grab vor Entweihung und dem bösen Blicke bewahren. Jahn, Ueber den Aberglauben des bösen Blicks, S. 53, 58 und Friedländer, de operibus anaglyphis, ist von Pervanoglu noch durch zwei Beispiele aus der Hadr. Stoa. Nro. 3126 und aus der archäol. Gesellschaft zu Athen vermehrt werden. Bachofen, S. 174, erklärt das Händepaar anders. Er weisst die rechte Hand als Symbol des acçtiven erwerbenden Princips und die Linke als das des passiven und erhaltenden durch eine Reihe von Beispielen nach. Beide erscheinen ihm als die vollendete Darstellung der ganzen Naturkraft in ihrer doppelten Potenzirung; in der linken liegt der Zauber, in der rechten die Macht, ihn zu lösen, Symbol des Lebens wird die Hand Symbol des Todes.**) Analog erklärt Bachofen die Stelle aus Vitruv. VIII., 3, wo die Rede ist von dem Grabmal des Euripides am Zusammen- fluss zweier Ströme, deren einer heilbringendes, der andere tödtliches Wasser führte. Auf jüdischen Grabsteinen findet man gleichfalls das Symbol der Hände. Sie haben da die Bedeutung, dass der Todte aus dem Stamm Aarons, des Hohenpriesters, war, dessen Angehörige allein beim Gebete die Hände kreuzweise über die Brust legen.

Es mögen zuerst diejenigen Inschriften folgen, welche auf die eleusinischen Myste- rien Bezug haben.

C. I. Nro. 1067, von Megara. Nicocrates ist von der orννεν ins bessere Jenseits, in das göttliche Licht eingegangen.

3) Heffter, Religion der Griechen und Römer, S. 383. Stuhr, die Religionssysteme der Griechen, II., 447.

2²⁴) Grimm, Geschichte der deutschen Sprache, II., 981, über Rechts und Links.