Aufsatz 
Die eschatologischen Anschauungen der Griechen und die sepulcralen Inschriften des Corpus inscriptionum graecarum : ein Versuch / von Anselm Braun
Entstehung
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von ihrer Stimme als einer vνν ϑεοσρπμέριmσ, cfr. Verg. Aen. VI., 557. Das Dasein der Todten ist nur ein scheinbares, das sich zum wirklichen verhält, wie der Traum zum klaren Gedanken, wie der Schatten zum Körper. Sie sind Spiegelbilder der Lebendigen, ohne Lebenswärme; ihr Gesicht, Grösse, Habitus ist der, den sie im Leben hatten, Od. XI., 51, II. XXIII., 65, so dass sie selbst Farbe und IIlusion haben und von Künstlern, wie Polygnot und Nicias gemalt werden konnten. Demost. in Aristocr. I., 52. Plaut. Captivi V., 4, 1, vidi ego multa saepe picta, quae Acherunti fierent cruciamenta. Aber da sie der otveg verlustig gingen, so sind sie αeασαsες, Od. XI., 476, ohne»odοs, Od. X., 494, XI., 153, bewusstlos, ohne*ĩ, Il. XI., 392. also ohne»x⁹σο, d. h. 9νυιαe⁸. Sie existiren in dumpfem, träumerischem Nachfühlen des früheren Zustandes. Nur wenn die Seele organisch mit dem Körper verbunden ist, sind ihre Functionen lebenskräftig. Gleichwohl sind die Todten momentaner Wiederbelebung fähig durch Trinken von Blut, welches Homers animalisches Substrat ist, das eigentliche somatische Lebensprincip und die olyes bei den Todten vertritt. Od. XI., 82, 153. Od. XI., 390 hat Agamemnon Blut getrunken und zlle Ady εκορ. Die Stimme des Patroclus ist, nachdem er Blut getrunken, ähnlich derjenigen, welche er im Leben hatte. Bevor die Critik über die Interpolationen im elften Buch der Odysse ihr letztes Wort gesprochen hat, müssen wir uns bei der Aufklärung des Widerspruchs, dass die Todten ohne Körper, ohne die nothwendigen Apparate, Blut trinken können, bescheiden. Die homerischen Todten sind merkwürdige Wesen. Homer ist hier inconsequent wie ein Kind.) Cic. Tuscul. I., 16, 37.) Die l⁶να kommen durch den Genuss des Opferblutes zum Bewusstsein; dieses Be- wusstsein kann aber nur an Körperlichem hervorgebracht werden. Damit hängen Citationen der Todten zusammen. Dass der Sänger Teiresias den»oꝰςα behalten, wird bei Homer selbst als etwas Ungewöhnliches bezeichnet. Od. X., 494. Nur durch besondere Gunst der Persephone hat er Bewusstsein.*) Die wunderbare Entrückung bei lebendigem Leibe in das Elysium, wie bei Menelaus, Helena u. a., ist auf jene ursprüngliche An- thropologie zurückzuführen. Od. IV., 563. Aus der homerischen Vorstellung von einem Jenseits bevorzugter Helden entwickelte sich der Glaube an ein Jenseits äberhaupt. Nach der zweiten späteren Darstellungsweise ist bei einzelnen Individuen eine bestimmte characteristische Form für immer festgehalten. Minos richtet unter den Todten, Od. XI, 569, die gleichfalls Bewusstsein haben müssen. Orions Eidolon, ibid. 573, jagt auf der As- phodeloswiese die Schatten der von ihm im Leben getödteten Thiere, die er mit einer ehernen, unzerbrechlichen Keule verfolgt, wenn man nicht eine doketische annehmen will, um den Widerspruch zu heben. Od. XI., 575. Die Strafen des Tantalus, Tityos und Sisyphos, Od. XI., 576 600, widersprechen der sonstigen homerischen Darstellung der Unterwelt. Substanzlose Wesen werden körperlich gestraft. Diese Sünder und Sträflinge sind Bilder der göttlichen Strafe, die eigentlich in das Leben gehören und zur Vergegenwärtigung der Fortdauer ihrer Strafen in die Unterwelt versetzt sind.) Aus Od. VII., 322 folgt, dass ein Verkehr zwischen Elysium und Griechenland möglich ist, wie zwischen letzterem und dem Phäakenlande. Die späteste Darstellungsweise ist die, wonach die Todten, von Hermes geleitet, in der Unterwelt, ohne Blut zu trinken, im vollkommenen Besitze des Bewusstseins und der Sprache sind, Od. XXIV., 15 204. Psychopompos ist Hermes ursprünglich insofern, als er die Seelen der Verstorbenen

5) Naegelsbach, Homerische Theologie, S. 346.

6) Nach G. Hofmann, Progr. des Gymnasiums zu Kreuznach 1867, S. 8, besteht das Todtenreich aus einem unterirdischen und einem überocéanischen Theile, die Ein zusammenhängendes Ganze bilden. Daraus würde folgen, dass Homer an eine Wölbung des Erdkörpers gedacht habe.

7) Bergk, Griech. Lyr. Aristot. fragm. v. 55.

s) Preller, Mythol. I., 641. Nitzsch, zur Odysse III.,§. 319 ft.