Aufsatz 
Warum ist Schiller der hochgefeierte Dichter?
Entstehung
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Volk aus Ägyptenland durch das rothe Meer gezogen, da ſang Moſes den erhabenen Lobgeſang:Ich will den Herrn ſingen, denn er hat eine herrliche That gethan, Roß und Wagen hat er ins Meer geſtürzt und ſo ferner. Nachher ſang Debora ihr Triumphlied:Lobet den Herrn, daß Israel wieder frei iſt worden. Unter den Griechen gab es ſchon vor Homer Dichter und Sänger. Am Hofe des Alki⸗ noos, des Königs der Phäaken, ſang Demodokos von den Thaten der Helden, von Odyſſeus und Achill, von dem hölzernen Roß, welches die Troer zu ihrem Verder⸗ ben auf die Burg zogen. Den Römern fehlte Poeſie und Geſang ſelbſt in der Urzeit nicht, als ſie faſt nur mit Kriegen und Schlachten, nicht mit Kunſt und Wiſſenſchaft beſchäftigt waren, da Cicero ſagt, daß Kato in ſeinem Geſchidh tswerke ſchreibe, die Altvordern hätten beim Mahle den Ruhm und die Tugend ausgezeich⸗ neter Männer geſungen, während ein Flötenſpieler den Geſang begleitete. Unſere älteſten Vorfahren hatten ihre Heldengeſänge, ihre Schlachtlieder; Arminius, ſagt Tacitus, wird noch jetzt beſungen. Bei den alten Galliern und Briten finden wir Barden und Druiden, die ſangen und lehrten, bei den ſkandinaviſchen Völkern die Skalden, die in den Schlachten die Thaten der Tapfern und an den Höfen die der Fürſten prieſen. In Aſien haben Araber und Perſer, Hindu und Chineſen ſeit langer Zeit ihre Dichter gehabt, und auch in der neuen Welt fanden die Europäer bei ihrer Ankunft Poeſie und Geſang. Daraus dürfte wohl hervorgehn, daß die Dichtkunſt ein Bedürfniß der Völker, eine Gabe Gottes und werth iſt, in Ehren gehalten zu werden.

Darum hat denn auch Schiller bei ſeinen Lebzeiten hohe Ehre genoſſen, die ausgezeichnetſten Männer, ein Göthe, Herder, Wilhelm von Humboldt waren ſeine Freunde und bewunderten ſeine Poeſien; der Herzog Chriſtian Friedrich von Hol⸗ ſtein⸗Auguſtenburg und Graf Ernſt von Schimmelmann, als ſie vernahmen, daß durch große Anſtrengung ſeine Geſundheit zerrüttet ſey und der Ruhe bedürfe, be⸗ wogen ihn auf drei Jahre ein jährliches Geſchenk von 1000 Thalern anzunehmen, Karl Auguſt von Weimar, ſein hoher Gönner, veranlaßte den Kaiſer Joſeph, ihn in den Adelſtand zu erheben; und als Wilhelm Tell zum erſtenmal in Berlin aufgeführt wurde, Tags darauf bezeugte ihm Friedrich Wilhelm III. ſeine Verehrung und bot ihm ein Gehalt von 3000 Thalern und den Gebrauch einer Hofequipage*) falls er

*) Dies Anerbieten des Königs iſt zwar bezweifelt worden, jedoch wurde in den Tagen des Feſtes von Berlin gemeldet, daß es gegründet ſey.

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