Aufsatz 
Warum ist Schiller der hochgefeierte Dichter?
Entstehung
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rauſchenden Geleite, ſingt er in den Idealen, Wer harrte liebend bei mir aus? Beſchäftigung, die nie ermattet, Die langſam ſchafft, doch nie zerſtört, Die zu dem Bau der Ewigkeiten Zwar Sandkorn nur für Sandkorn reicht, Doch von der gro⸗ ßen Schuld der Zeiten Minuten, Tage, Jahre ſtreicht. Und was ſagt er in der Abhandlung über die nothwendigen Grenzen beim Gebrauch ſchöner Formen? Wer etwas Großes leiſten will, muß tief eindringen, ſcharf unterſcheiden, vielſeitig verbinden und ſtandhaft beharren. Selbſt der Künſtler und Dichter, obgleich beide nur für das Wohlgefallen bei der Betrachtung arbeiten, können nur durch ein an⸗ ſtrengendes Studium dahin gelangen, daß ihre Werke uns ſpielend ergötzen. In des Jünglings Kopf arbeiten dunkle Ideen wie eine werdende Welt, die ihn glauben machen, daß er begeiſtert ſey. Er nimmt das Dunkle für das Tiefe, das Wilde für das Kräftige, das Unbeſtimmte für das Unendliche, das Sinnliche für das Ueber⸗ ſinnliche, und wie gefällt er ſich nicht in ſeinen Geburten! Aber des Kenners Ur⸗ theil will dieſes Zeugniß der warmen Selbſtliebe nicht beſtätigen. Mit ungefälliger Kritik zerſtört er das Gaukelwerk der ſchwärmenden Bildungskraft und leuchtet ihm in den tiefen Schacht der Wiſſenſchaft und Erfahrung hinunter, wo, jedem Unge⸗ weihten verborgen, der Quell aller wahren Schönheit entſpringt. Schlummert nun rechte Geniuskraft in dem fragenden Jüngling, ſo wird zwar anfangs ſeine Beſchei⸗ denheit ſtutzen, aber der Muth des wahren Ideals wird ihn bald zu Verſuchen er⸗ muntern. Er behorcht, wenn er zum Dichter geboren iſt, die Menſchheit in ſeiner eigenen Bruſt, um ihr unendlich wechſelndes Spiel auf der weiten Bühne der Welt zu verſtehen, unterwirft die üppige Phantaſie der Disciplin des Geſchmacks und läßt den nüchternen Verſtand die Ufer ausmeſſen, zwiſchen welchen der Strom der Be⸗ geiſterung brauſen ſoll. Und das können wir von Schiller behaupten, er war zum Dichter geboren, und darum hat er ſeiner wild, fliegenden Phantaſie die Flügel be⸗ ſchnitten und dem Strom ſeiner Begeiſterung durch unabläſſiges Streben und Mü⸗ hen ein angemeſſenes Bett gegraben.

Die Dichtkunſt iſt, wie die Religion, eine Tochter des Himmels; die eine wie die andere veredelt des Menſchen Herz und erhebt es von dem Staube der Erde zu den Sternen des Himmels. Zu einem ſchönen Bunde vereint durchwandeln beide die Geſchlechter der Menſchen, den Durſtigen tränkend, den Hungrigen ſpeiſend, überall ihre beſeligenden Gaben austheilend; und die Dichtkunſt zieht in die Tempel der Gottheit ein und läßt ihre Hymnen nnd Lieder zum Preiſe des Allerhöchſten erſchallen. Sie iſt, wie die Religion, ein wahres Bedürfniß der Menſchheit und daher bei allen Völkern anzutreffen. Im höchſten Alterthum, als das israelitiſche