Aufsatz 
Warum ist Schiller der hochgefeierte Dichter?
Entstehung
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Es war am 13. Januar 1782, als dieſes ſein erſtes Schauſpiel in Mannheim auf⸗ geführt wurde, und der Dichter ſelbſt ſich unter den Zuſchauern befand. Es hatte einen ſehr verſchiedenen Erfolg. Von der einen Partei wurde es bis zum Him⸗ mel erhoben, von einer andern bis zur Hölle verworfen, eine dritte wollte den Ver⸗ faſſer überhaupt nicht einmal für einen Dichter gelten laſſen; aber die urtheilsfähi⸗ gen und gerechten Kunſtrichter erkannten die glühende Phantaſie, die tiefe Empfin⸗ dung, die Kraft, Natur, Geſundheit, kurz den hohen Genius und weiſſagten den gro⸗ ßen Dichter, wenn er erſt das rechte Maß gefunden, wenn er ſich mit der ſophoklei⸗ ſchen Sophroſyne vermählt haben würde. Und er führte ſie als Gattin heim, und ſo iſt er der Sophokles unſerer Nation geworden. Wie ſich der Spruch:Halte Maß in allen Dingen, ſonſt wird dir nichts gelingen, im Sinnlichen und Morali⸗ ſchen bewährt, ſo vornehmlich in der Kunſt und Poeſie. Oder glaubſt du, es könne etwas ſchön ſeyn ohne Maß? Wird wohl ein Mann ſchön genannt, wenn er ein Rieſe, oder ſchön, wenn er ein Zwerg iſt? Kann eine Jungfrau ſchön ſeyn, wenn ſie zwar liebliche Wangen, glatte Stirn, runden Mund, kunſtmäßig geringelte Locken, aber triefende Augen hat oder gar einäugig iſt? Und in der Kunſt ſollte das Maß fehlen können, das ſie grade zur ſchönen Kunſt macht? Wodurch anders iſt die griechiſche Säule, der griechiſche Tempel ſo ſchön, als durch das vollendete Eben⸗ maß? Wodurch bezaubert die Muſik das Ohr, als durch Maß und Takt? Und wenn du im Tanze Takt und Regel verlangſt, ſollte die ſchöne Kunſt der Poeſie ihrer entrathen können? Darum darf der Dichter nicht der Natur allein folgen, ſondern er muß ſeinen Geiſt in allen Wegen verfeinern und bilden, denn die Natur allein macht den vollendeten Poeten nicht. Und ſo fordert auch Horaz zu der natür⸗ lichen Anlage ein wiſſenſchaftliches Studium, wenn er in der ars poetica ſagt: Natura fuerit laudabile carmen an arte, Quaesitum est. Ego nec studium sine divite vena, Nec rude quid possit video ingenium; alterius sie Al- tera poscit opem res et conjurat amice.

Demgemäß hat unſer Schiller geſtrebt und gearbeitet und iſt nicht müde gewor⸗ den. Wie hätte er uns ſonſt einen ſo reichen vollen Schatz der klaſſiſchſten Werke hinterlaſſen können, da ihm nur ein kurzes Leben beſchieden war und noch Siechthum und Krankheit ihm ſo viel davon entzog. Freilich ſind Göthes Werke zahlreicher, aber ſeine Lebenszeit erreichte auch das höchſte Ziel, und die Zahl ſeiner Tage war beinah die doppelte von denen ſeines Freundes, deſſen Leben, wenn je eines Menſchen, Mühe und Anſtrengung war. Aber in ſtiller Beſchäftigung mit der Wiſſenſchaft und Kunſt hat er ſeine Freude geſucht und ſeinen Ruhm begründet. Von all dem