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lich, zart und mild, rein, natürlich, anmuthig, ausdrucksvoll, würdig, redneriſch ge⸗ ſchmückt, tief und erhaben, ſtets dem Gegenſtand angemeſſen und höchſt korrekt; und was Horaz von Homer ſagt, daß er zuweilen ſchlafe, wiewohl nach meiner Meinung mit Unrecht, da weder jener noch wir überall den rechten Text des Dichters beſitzen, das läßt ſich eher auf Göthe anwenden, der zuweilen nachläſſig redet, aber nicht auf Schiller, der immer wach iſt und nicht ſchläft. Dazu verſteht er meiſterhaft die Kunſt, nicht zu Viel zu ſagen, und darin liegt grade ein feſſelnder Zauber der Poe⸗ ſie, daß der Leſer zu dem Gegebenen von ſeinem Eigenen hinzudenkt und aus dem vorliegenden Bilde ein neues erzeugt und ſo ſpielend über und unter den Zei⸗ len lieſ't, was nicht geſchrieben ſteht. Die klaſſiſchen Dichter der Griechen und Rö⸗ mer ſind hierin Muſter und haben dadurch eine ſo mächtige Anziehungskraft, einen ſolchen Reiz, etwas Geheimnißvolles, das uns mit Wohlgefallen erfüllt. Schiller kommt ihnen hierin gleich und ſagt ſelbſt in einem ſeiner Epigramme:„Jedem anderen Meiſter erkennt man an dem, was er ausſpricht; Was er weiſe verſchweigt, zeigt mir den Meiſter des Styls“.
Es iſt oft behauptet und gar Viele ſind noch der Meinung, daß der Dichter geboren werde und des Studiums nicht bedürfe. Allein dieſer blendende Ausſpruch enthält nur Schein⸗Wahrheit. Denn ein Natur⸗Dichter kann wohl über gewöhnliche Erſcheinungen der Natur und des menſchlichen Lebens Poeſien liefern, die mit Bei⸗ fall aufgenommen werden, aber um die Ehre eines vollendeten Dichters zu errin⸗ gen, iſt ein ausgebreitetes Wiſſen erforderlich. Er muß die Geſchichte und Sitten der Völker kennen, muß Naturwiſſenſchaft ſtudieren, muß ſein Gefühl für das wahr⸗ haft Schöne ausbilden und dazu die Geſetze der Sprache und des Versbaues ver⸗ ſtehen, um dem Schönen eine angemeſſene Gewandung zu geben. Man denke nur, was dazu gehört, ein großes kunſtgemäßes Drama ſchreiben zu können! Darum hat, wie Göthe ſo auch Schiller, wie wir aus ihrem Briefwechſel wiſſen, mit un⸗ abläſſigem Fleiß bis an ſein Ende ſtudiert. Gleicht doch der Genius der Natur oftmals einem unbändigen Roſſe, welches die Zügel zerreißend über die Schranken ſpringt und fortrennt über Berg und Fels, bis es ſtrauchelt und ſtürzt. Daher muß auch der Phantaſie Maß und Regel angelegt werden, oder ſie treibt den Dichter wild und tobend umher, ſo daß ſeine Gebilde das Maß überſchreiten und den Geſetzen des Schönen nicht entſprechen. So iſt es denn erklärlich, daß das Harmoniſche, der rechte Einklang und Zuſammenklang weniger in den Jugendgedichten als in denen des reiferen Alters gefunden wird, und ſo ſehen wir in den„Räubern“ ein Uebermaß, eine wilde Phantaſie, ein loderndes Feuer, einen tobenden Bergſtrom.


