Aufsatz 
Warum ist Schiller der hochgefeierte Dichter?
Entstehung
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iſt und die edelſte Sprache redet. In ſeinen Werken liegt es offen zu Tage, daß ihm keine der Eigenſchaften, die an unſerm Volke geprieſen werden, fehlt. Ein biederes, redliches, treues Herz, ſittliche Würde, ein auf das Ideale, Edele, Himm⸗ liſche und Schöne gerichteter Sinn, hohe Vaterlandsliebe, glühender Eifer das Volk von dem Niedrigen und Gemeinen zu entfernen und zu dem Hohen und Edlen, zur wahren Tugend zu erheben, mit dem ſteten Streben verbunden, ſich ſelbſt ſeinem Ideale, der höchſten Ausbildung, dem höchſten Gute immer näher zu bringen, ſolche Vorzüge erkennen und ehren wir an ihm. Es iſt wahr, ſein Briefwechſel mit Göthe, mit Wilhelm von Humboldt, mit Körner, lehrt es, durch ein immerwährendes Studium hat er ſich zu hoher Bildung aufgeſchwungen; er iſt in die Tiefen der Philoſophie eingeſtiegen, hat aus ihren verborgenen Schachten das reine gediegene Gold heraufgeholt, hat unermüdlich über die Geſetze und Geſtalten der Schönheit gedacht und geforſcht und die gewonnenen Ergebniſſe an den unſterblichen Muſtern von Homer bis Shakeſpeare geprüft, gemeſſen, verglichen, geläutert, hat mit dem größten Fleiß auf Sprache, Ausdruck und Versbau geachtet und dadurch möglich gemacht, daß die edelſten Gedanken in die edelſte Sprache gekleidet ſind. Ja für⸗ wahr, ſeine Sprache iſt die edelſte und wohllautendſte, und wie Luther zu ſeiner Zeit die deutſche Rede zu Anſehn, Macht und Würde hob, ſo hat ſie Schiller fuͤr ſeine und für alle Zeiten erhoben. Welch eine Melodie durchtönt ſeine Verſe, wie lieblich und anmuthig weiß er das Milde und Zarte, wie kräſtig und ſtark die Kraft und Stärke zu ſchildern. Man denke an das Gedicht von der Würde der Frauen, an das Lied von der Glocke, an Johanna's Abſchied:Lebt wohl, ihr Berge, ihr geliebten Triften, Ihr traulich ſtille Thäler, lebet wohl! andie Erwartung: Hör' ich das Pförtchen nicht gehen? Hat nicht der Riegel geklirrt? Nein, es war des Windes Wehen, Der durch dieſe Pappeln ſchwirrt. Stille! was ſchlüpſt durch die Hecken Raſchelnd mit eilendem Lauf? Nein es ſcheuchte nur der Schrecken Aus dem Buſch den Vogel auf, und an den Taucher: Und es wallet und ſiedet und brauſet und ziſcht, welche maleriſche Worte, die Wilhelm von Humboldt und Göthe, als ſie das Wogengebrauſe am Rheinfall betrachteten, ſo ſchön, treffend und natur⸗ gemäß fanden; ſodann die Zeilen: Und hohler und hohler hört man's heulen, Und es harrt noch mit bangem, mit ſchrecklichem Weilen. Aus dem Gedichte:Die vier Weltalter ſind dieſe zwei Verſe: Doch war das Leben auch finſter und wild, So blieb doch die Liebe lieblich und mild, in welchem letzten Verſe wohl abſichtlich nur weiche Buchſtaben vorkommen, wie in dem ſchönen WorteLiebe gleichfalls. Doch wer könnte alle ſchönen Stellen aufzählen! Schillers Rede iſt klar und deut⸗