Aufsatz 
Warum ist Schiller der hochgefeierte Dichter?
Entstehung
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Weiter hat Schiller in didaktiſchen Gedichten und Epigrammen ſeine Dichter⸗ gabe offenbart. Unter dieſen machten zur Zeit der Herausgabe die Xenien, zu wel⸗ chen er ſich mit Göthe verband, um die oft ſchiefen Urtheile der Poeten ſeiner Zeit zu züchtigen, großes Aufſehen. Manche Epigramme ſind trefflich und treffend. Ich will hier nur an drei erinnern. Von der Wiſſenſchaft ſchreibt er:Einem iſt ſie die hohe, die himmliſche Göttin, dem Andern Eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter verſorgt, und von dem Profeſſor der Geſchichte, als er ſelbſt zu Jena nur 200 Gehalt empfing:Breiter wird immer die Welt und immer mehr Neues geſchie⸗ het; Ach, die Geſchichte wird ſtets länger und kürzer das Brod! und von der Erwartung und Erfüllung:In den Occan ſchifft mit tauſend Maſten der Jüng⸗ ling; Still auf gerettetem Boot treibt in den Hafen der Greis. Zu den didakti⸗ ſchen Gedichten rechnen wir z. B. die Worte des Glaubens, des Wahns, die Sprü⸗ che des Konfucius, Breite und Tiefe und mehrere, die zugleich andern Gattungen zugezählt werden können. Sodann hat er auch Räthſel gedichtet, unter welchen ſich recht liebliche befinden. Man könnte auchdas Mädchen aus der Fremde dazu rechnen. Zuletzt machen wir auf ſeine Ueberſetzungen einiger klaſſiſcher Dichtungen des Alterthums aufmerkſam, die zwar Sprache und Versmaß nicht genau, wie die von Voß, wiedergeben, dafür aber auch ſo wohlgefügt und ſo klar und mit ſolchem Wohllaut geſchrieben ſind, daß man ſie wie Originale lieſ't. Davon geben die Iphigenie von Aulis, dieZerſtörung von Troja undDido Zeugniß Auch ſein Makbeth, dem gleichnamigen Trauerſpiel Shakeſpeare's nachgedichtet, gefällt wie

ein ſelbſtſtändiges Werk und hat in Deutſchland das Stndium des engliſchen Dichters

angeregt und gefördert. In dieſes Stück hat er das Morgenlied eines Pförtners, welches in dem Drama des Briten nicht vorkommt, eingeſchoben, das aber ſo recht in dem Tone eines ſolchen Liedes anhebt und ſo allerliebſt darin fortläuft, daß ich nicht unterlaſſen kann, es hier mitzutheilen. Es lautet alſo:Lob ſei dem Herrn und Dank gebracht, Der über dieſem Haus gewacht, Mit ſeinen heilgen Schaaren Uns gnädig wollt' bewahren. Wohl Mancher ſchloß die Augen ſchwer Und öffnet ſie dem Licht nicht mehr; Drum freue ſich, wer neu belebt Den friſchen Blick zur Sonn' erhebt.

Bis jetzt haben wir zu zeigen verſucht, daß Schiller der gefeierte Dichter ſey, weil er mit der lebendigſten Phantaſie begabt und in faſt allen Arten der Poeſie ſich bewegend, die große Aufgabe zu ergötzen und zu lehren gelöſt hat. Überdies müſſen wir noch etwas an ihm rühmen, ohne welches er freilich dieſelbe ſchwerlich in dem vollendeten Maße hätte erfüllen können, nämlich, daß er ein edler Charakter