Aufsatz 
Warum ist Schiller der hochgefeierte Dichter?
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Erhabenheit und Begeiſterung waltet in dem Liedean die Freude Freude ſchöner Götterfunken, Tochter aus Elyſinm, Wir betreten feuertrunken, Himmliſche, dein Heiligthum, in der unüberwindlichen Flotte:Sie kommt, ſie kommt, des Meeres ſtolze Flotte, das Weltmeer wimmert unter ihr, Mit Kettenklang und einem neuen Gotte Und tauſend Donnern naht ſie dir, in der Schlacht:Schwer und dumpfig eine Wetterwolke, Durch die grüne Ebene ſchwankt der Marſch, in dem Siegsfeſt: Priams Veſte war geſunken, Troja lag in Schutt und Staub, in dem eleuſiſchen Feſt:Windet zum Kranze die goldenen Aehren, in der Klage der Ceres:Iſt der holde Lenz erſchienen? Hat die Erde ſich verjüngt? in der Kaſſandra: Freude war in Trojas Hallen, Eh' die hohe Veſte fiel, Jubelhymnen hört man ſchallen, In der Saiten goldnes Spiel, und in der Macht des Geſanges:Ein Regenſtrom aus Felſenriffen, Er kommt mit Donners Ungeſtüm. Wie leicht iſt dagegen der Ton in dem gewöhnlichen Liede gehalten, wie in dem Punſchliede:Vier Elemente Innig geſellt, Bilden das Leben, Bauen die Welt, in dem Schützenliede: Mit dem Pfeil, dem Bogen Durch Gebirg und Thal Kommt der Schütz gezogen Früh am Morgenſtrahl, und in dem bekannten Kriegsliede:Friſch auf Kammeraden, aufs Pferd, aufs Pferd, Ins Feld in die Freiheit gezogen! Und wiederum welch eine liebliche ſeelenvolle Sprache herrſcht in dem lyriſchen Spiel:Die Huldigung der Künſte! Wie ſchön redet darin die Poeſie:Mich hält kein Band, mich feſſelt keine Schranke, Frei ſchwing ich mich durch alle Räume fort. Mein unermeßlich Reich iſt der Gedanke, und mein geflügelt Werkzeng iſt das Wort. Was ſich be⸗ wegt im Himmel und auf Erden, Was die Natur tief im Verborgnen ſchafft, Muß mir entſchleiert und entſiegelt werden, Denn nichts beſchränkt die freie Dichterkraft; Doch Schöneres find ich nichts, wie lang ich wähle, Als in der ſchönen Form die ſchöne Seele, und in der Erwartung:Hör ich das Pförtchen nicht gehen? Hat nicht der Riegel geklirrt? Eine der erhabenſten lyriſchen Dichtungen iſt endlich die Braut von Meſſina. In der edelſten, reinſten und wohlklingendſten Sprache, voll tiefer Empfindung, groß und kühn ſchreitet der Dichter auf dem hohen Kothurn des Aeſchylus einher, mit welchem er ſich kurz vorher genauer bekannt gemacht und der durch ſeine koloſſalen Gemälde mächtig auf ihn eingewirkt hatte. Die herr⸗ lichen Chorgeſänge, unter welchen ſich derbekannte:Durch die Straßen der Städte, vom Jammer gefolgt, Schreitet das Unglück, befindet, ſtehen den griechiſchen nicht nach. Und das Selbſtgeſpräch der Beatrice: Er iſt es nicht. Es war der Winde Spiel Die durch der Pinie Wipfel ſauſend ſtreichen u. ſ. w. iſt ſo lieblich, daß man glaubt, es könne Lieblicheres nicht geſagt werden.