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nicht allein in Deutſchland, auch in London, in Paris, in New⸗York. Seine epi⸗ ſchen Dichtungen, die anmuthigen Romanzen und Balladen, von welchen wir vorher geſprochen, ſind zumal die Freude der Jugend und werden in unſern Schulen ſo gern von ihr gelernt und vorgetragen. In der lyriſchen Poeſie hat er uns die ſchwung⸗ vollſten Hymnen und die lieblichſten Lieder geſchenkt. Welches Volk kann eine Dich⸗ tung wie das Lied von der Glocke aufweiſen, in welchem die epiſche mit der lyriſchen Poeſie ſich zu dem glänzendſten Bunde vereint hat! Hier zieht, während den Mei⸗ ſter mit den Geſellen der Glockenguß beſchäftigt, das ganze menſchliche Leben mit ſeinen heitern und ſchwarzen Looſen an dem Auge unſers Geiſtes vorüber, von dem Kinde in der Wiege bis zu dem Grab der theuren Mutter, die Jugendzeit, die züchtige Hausfrau, der ſchaffende Vater, die Stadt in Flammen, der Segen der bürgerlichen Ordnung, der Fluch des Aufruhrs. Mit dieſem Gedichte iſt dem In⸗ halt nach„der Spaziergang“ verwandt, dem Herder und Humboldt bei ſeinem Er⸗ ſcheinen ſo große Bewunderung zollten. Herder ſagte, die Elegie— ſo hatte der Dichter ihn anfangs überſchrieben— iſt eine Welt von Scenen, ein fortgehendes geordnetes Gemälde aller Situationen der Welt und der Menſchlichkeit. Sie ſoll mir eine Landkarte ſeyn, die ich an die Wand ſchlage. Und Humboldt:„Wohin man ſich wendet, wird man durch den Geiſt überraſcht, der in dieſem Stücke herrſcht, aber vorzüglich ſtark wirkt das Leben, das dieſes unbegreiflich ſchön organiſirte Ganze beſeelt.“ Der Dichter durchwandert eine anmuthige Landſchaft und ſchildert die freie Natur mit dem einfachen Landleben, ſodann die Geſellſchaft in Stadt und Staat, die Kultur mit ihrem Handel, ihren Gewerben, Künſten und Wiſſenſchaften, darauf die Ueberkultur mit ihrem Sittenverderbniß—„Aus dem Geſpräche verſchwindet die Wahrheit, Glauben und Treue Aus dem Leben, es lügt ſelbſt auf den Lippen der Schwur“— endlich die jener folgende gewaltſame Erhebung des Volks, bis er zum Schluß wieder zu der ſeit Jahrtauſenden treu ihre Geſetze bewahrenden Natur zurück⸗ kehrt und mit dem bedeutſamen Verſe: Und die Sonne Homer's, ſiehe, ſie lächelt auch uns, endigt. Schiller ſelbſt hielt den Spaziergang für eins ſeiner gelungenſten Ge⸗ dichte, denn, ſchrieb er, es ſey ihm mit keinem andern ſeiner Stücke begegnet, als mit dieſem, daß es ihm nämlich in jeder Gemüthslage gefalle. Wie geſchickt und wohllautend iſt in„der Würde der Frauen“ die Sanftmuth und Stille derſelben der Kraft und dem raſtloſen Treiben der Männer gegenüber geſtellt. In wie ſchö⸗ nen Antitheſen läuft„das Ideal und das Leben“ dahin, das Reich des Dunkels und der Schatten, der Schranken und des Todes gegen das Reich des Lichts, der Schön⸗ heit, des Unendlichen, der heiteren Regionen und der reinen Formen. Pindariſche


