Aufsatz 
Warum ist Schiller der hochgefeierte Dichter?
Entstehung
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ſpiele vor. Wie anſchaulich ſagen esdie Kraniche des Ibykus. Es iſt ein be⸗ kanntes Sprichwort: Wer Andern eine Grube gräbt, fällt ſelbſt hinein. Aber mit unauslöſchlichen Zügen ſchreibt esder Gang nach dem Eiſenhammer in die Tafel unſeres Gedächtniſſes, zugleich anmerkend, wie ein ſchützender Engel über die Un⸗ ſchuld wacht. Suchet nach Wahrheit, dies göttliche Gebot iſt von Anbeginn an das Menſchenherz ergangen, und der mächtig wirkende Wiſſenstrieb drängt ſo Manchen, ſie auf verbotenem Wege zu ſuchen. Aber du kennſt ndas verſchleierte Bild zu Sais. Der Jüngling hebt den Schleier, den kein Sterblicher heben ſoll. Und was geſchieht?Beſinnungslos und bleich, ſo fanden ihn am andern Tag die Prie⸗ ſter am Fußgeſtell der Iſis ausgeſtreckt. Auf ewig war ſeines Lebens Heiterkeit dahin; ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe. Weh dem, dies war ſein war⸗ nungsvolles Wort, Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld, ſie wird ihm nimmermehr erfreulich ſeyn. Außerdem giebt unſer gefeierter Dichter wie in ſei⸗ nen großen Dramen, ſo in vielen kleineren Poeſien die bedeutungsvollſten Lehren, und man kann von ihm ſagen, er lehrt oft beſſer und deutlicher, gewiß leichter und angenehmer, als der Philoſoph mit ſeinen dunkeln und neugeprägten Ausdrücken. In Wahrheit gilt von ihm, was Horaz von Homer rühmt, daß er deutlicher und beſſer als die Philoſophen Chryſipp und Krantor verkündige, was rühmlich, was ſchimpflich, was nützlich und was ſchädlich ſey, Qui quid sit pulchrum, quid turpe, quid utile quid non, Planius ac melius Chrysippo et Crantore di- cit. Indem wir nun behaupten, daß unſer Schiller es vortrefflich verſteht, des Menſchen Herz zu ergötzen und zu belehren, geben wir ihm das Zeugniß, daß er die ihm gewordene Aufgabe erfüllt hat, die der Römer in dieſem Verſe ausſpricht: Aut prodesse volunt aut delectare poetae.

Zu dieſem ſeinem Ruhme fügen wir hinzu, daß er faſt in allen Gattungen gedichtet und, wie Göthe, ſein ganzes Leben der Poeſie geweiht hat. Und daran erkennen wir ebenfalls den wahren Dichter, deſſen Natur und Leben und Weben ſeine Kunſt iſt, welche ihn nicht verläßt, und die er nicht verläßt. Daher hat er denn in allen Gattungen die ſchönſten Muſter geliefert, die wir und fremde Natio⸗ nen bewundern. Wie groß iſt er im Drama! Kühn und verſtändig hat er die dem⸗ ſelben von den franzöſiſchen Dichtern ſo ängſtlich bewahrten Feſſeln durchbrochen und waltet frei darin wie ein Gott, ungebunden wie der Gedanke, kein Schlagbaum, keine Schranke hält ihn zurück. Sein Wilhelm Tell, die Jungfrau von Orleans, Maria Stuart, Wallenſtein, von dem Göthe ſagt: Er iſt ſo groß, daß zum zweiten Mal nichts Aehnliches vorhanden iſt, ſie leben überall und gehen über die Bühnen

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