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entſchwinden die Falten, ſein Herz wird weiter, ſein Geiſt frei und heiter, er ent⸗ ſagt dem Niedrigen und Gemeinen und wird aus dem ſinnlichen zu einem geiſtigen Menſchen geboren, der nun ſeine Freude in der Beſchäftigung mit den Erzeugniſſen der Poeſie findet, die ihn durch das wahrhaft Schöne feſſelt und ergötzt. Iſt das etwas Kleines?
Wenn aber der Dichter durch ſeine ſchönen und anziehenden Gemälde das Herz ergötzt und ſich ſo unendlich verdient macht, ſo lehrt er auch im Beſondern, was gut und edel ſey. Denn„edel ſey der Menſch, ſagt Göthe, hülfreich und gut, denn das allein unterſcheidet ihn von allen Weſen, die wir kennen.“ Und wie Chriſtus einſt ſeine Wahrheiten und Tugendlehren in Dichtungen, in Parabeln und Gleichniſſen verkündete, um ſie den Jüngern angenehmer zu machen, daß ſie mit Honigſeim in ihr Herz einflöſſen; ſo hat uns auch Schiller in vielen ſeiner Poeſien die höchſten Wahrheiten vorgelegt. Er ergötzt, aber lehrt auch und ge⸗ währt uns ſo größeren Nutzen, als wenn er uns Reichthum und Herrſchaften gäbe. Wir wählen aus dem reichen Schatz ſeiner Schriften die ſo anziehenden und wohl⸗ lautenden Romanzen und Balladen aus. Der Schüler ſoll dem Lehrer, der Jünger dem Meiſter gehorchen, ſoll deſſen Gebot nicht übertreten, und wenn er, ſelbſt in guter Abſicht, gefehlt hat, ſich willig der vom Meiſter verhängten Strafe unterwer⸗ fen. Dies lehrt Schiller in dem„Kampf mit dem Drachen“. Suche und hege den wahrhaften Freund, denn er ſteht feſter als ein Bruder, ſagt die Schrift. Und Schiller macht es uns ſo deutlich in der Ballade der Bürgſchaft. Welche Hinder⸗ niſſe beſiegt der Freund, um dem Freunde Wort zu halten.„Und iſt es zu ſpät und kann ich ihm nicht ein Retter willkommen erſcheinen, ſo ſoll mich der Tod ihm vereinen“. Nein die Trene, ſie iſt kein leerer Wahn, glaubt es, es hat genug treue Seelen unter allen Völkern gegeben, und es giebt noch treue Seelen. Was lehrt der Taucher? Was echte Liebe ſey, daß ſie nicht das Ihre ſuche. Die Königs⸗ tochter fleht: Laß Vater genug ſeyn das grauſame Spiel, Er hat euch beſtanden, was keiner beſteht“. Und als er es wagt, das grauſame Spiel, da ſieht er errö⸗ then die ſchöne Geſtalt und ſieht ſie erbleichen und ſinken hin“. Was lehrt dagegen „der Handſchuh“d die falſche Liebe, die das Ihre ſucht. Denn Fräulein Kunigunde, um ihrem Uebermuth zu fröhnen, ſchickte den Ritter zwiſchen Tiger und Leun mitten hinein. Die Königstochter will das Leben des Knappen retten, allein Kunigunde führt den Ritter in den Rachen der Beſtien. Was iſt da Liebe?— Daß die böſe That ſich ſelbſt verräth, daß ein Mörder durch ein unbedachtſam ausgeſprochenes Wort ſein Verbrechen kund thut, davon kommen im menſchlichen Leben häufig Bei⸗


