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Blumen und Früchte, Feſtons, das Keltern des Weins, die Bacchantin im Tanz und eine andere im Schlummer, den lauſchenden Faun, etruriſche Vaſen, den Drei⸗ fuß auf ſchön geflügelten Sphinxen, Münzen vom Kaiſer Titus, Wage und Geyicht, den zierlich gebildeten Kandelaber, die Oellampe, ein Schmuckkäſtchen mit goldenen Spangen und glänzenden Paſten, die geſchmückte Braut, Bücherrollen mit den wäch⸗ ſernen Tafeln und den Griffeln, nichts iſt verloren, die Penaten, alle Götter ſind da, die Altäre, und ſo lernen wir in den wenigen Zeilen faſt alle Merkwürdigkeiten einer Stadt des Alterthums kennen.
Dieſe Beiſpiele mögen hinreichen, ſie offenbaren uns des Dichters lebendige Phantaſie. Von ihr erfüllt und zugleich auf ihren Flügeln getragen ſchafft er ſeine glänzenden Gemälde und durchflicht mit Kränzen und Roſen dasvirdiſche Leben, daß ſich Jung und Alt, Kinder, Knaben, Jünglinge, Mädchen und Frauen, Män⸗ ner und Greiſe daran erbauen und ergötzen. Denn„Ihm gaben die Götter das reine Gemüth, Wo die Welt ſich, die ewige ſpiegelt; Er hat Alles geſehn, was auf Erden geſchieht, Und was uns die Zukunft verſiegelt; Er ſaß in der Götter urälte⸗ ſtem Rath Und behorchte der Dinge geheimſte Saat. Er breitet es luſtig und glänzend aus, Das zuſammengefaltete Leben; Zum Tempel ſchmückt er das irdiſche Haus, Ihm hat es die Muſe gegeben. Kein Dach iſt ſo niedrig, keine Hütte ſo klein, Er führt einen Himmel voll Götter hinein.“ Denn das iſt des Dichters hoher Beruf, das ihm von Gott auferlegte Gebot, zu ergötzen. Vult delectare poeta, ſagt der Verfaſſer der Ars poetica. Und dieſem Beruf iſt Schiller ſtets treu geblieben. Aber in neuerer Zeit iſt es unter vielen, namentlich jüngeren Dich⸗ tern, faſt Mode geworden, nichts als Klaglieder über des Menſchen Elend und Un⸗ vollkommenheit, des Lebens Noth und Jammer zu ſingen; ſie beſchuldigen den All⸗ mächtigen, daß er ſie geſchaffen und verwünſchen ihr Daſeyn und ſchmähen voll Unzufriedenheit und Unwillen auf der Menſchheit Loos. Dies ſind nicht die wah⸗ ren Dichter, die weder ſich ſelbſt noch die Leſer ergötzen, es ſind ſchwache kranke Seelen, die uns Krankenſpeiſe vorſetzen. Glaubet aber nicht, es ſey ein Kleines und Geringes, wenn ich ſage: Schiller ergötzt uns. Worauf geht denn der Menſch im Leben aus, wornach ſtrebt er? Iſt es nicht Genuß und Vergnügen? Er pflückt die Blume, wie und wo er ſie findet, und ſie vergiftet ihn; in vollen Zügen trinkt er den Becher, und er wird betäubt und taumelt; er bätet den Götzen der Welt an, aber erntet Schmach und Schande. Da kommt nun der Dichter und zeigt ihm an⸗ dere Genüſſe, öffnet ihm den Sinn für das Schöne, Gute und Erhabene, für die reine ungetrübte Freude, für den edlen und veredlenden Genuß; und von der Stirn


