Aufsatz 
Warum ist Schiller der hochgefeierte Dichter?
Entstehung
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ders, des Verbrechers, des Böſewichts vor, daß er ihn von der Sünde, dem Ver⸗ brechen, der Bosheit abſchrecke und ihm zurufe, wie der Dichter der Aneide: Discite justitiam moniti nec temnere divos. Sie wandelt aber auch mit ihm über die Räume der Erde, führt ihn auf die Gipfel der Alpen und läßt ihn den ewigen Schnee und die Eisberge ſchauen, die unermeßlichen Glätſcher, wie darin die Waſſer brauſen und mit Donnergetöſe die Maſſen zerbrechen, die Quellen der großen Strö⸗ me, wie ſie aus den Glätſcherthoren Urſprung und Anfang nehmen, ihre gewaltigen Katarakte, die dunkelblauen Seeſpiegel mit ihren bald lieblich ſanften bald von Felſen ſtarrenden Ufern; ſie führt ihn hier durch ſchauerliche Felſenpäſſe, dort durch anmuthige mit dem üppigſten Grün und Blumenflor geſchmückte Thäler; ſie ſteigt mit ihm über den großen Bernhard, über den St. Gotthard oder über das Stilfſer Joch in Italiens ſchöne Gefilde nieder, nach dem ewig einzigen Rom, nach dem prachtvollſten Buſen der Welt, dem Golf von Neapel, nach den aus dem Grab der Mutter Erde wieder an das Sonnenlicht hervorgekommenen Städten Herkulanum und Pompeji, auf den Veſuv und auf den Aetna. Sie zeigt ihm das unendliche Meer, wie es in ſtiller Nuhe ſeine glatte glänzende Spiegelfläche hinbreitet, aber auch ſeine Furchtbarkeit in Sturm und Wogengebraus, dann wieder ſeine zahlreichen Handelsſchiffe, die von der alten Welt in die neue, von der neuen in die alte fah⸗ ren, und dann ſeine Kriegsflotten. Endlich ſtellt ſie ihm das Glück des Friedens vor Augen mit den prunkenden und blühenden Saatfeldern, mit den Künſten, Ge⸗ werben und Wiſſenſchaften, aber auch den Krieg und ſeine Kämpfe und Schlachten und das Schrecklichſte der Schrecken, der Völker Revolutionen. Solche und ähnliche Gemälde ſchafft der Dichter kraft der ihn führenden und geleitenden Phantaſie. Vergegenwärtigen wir uns demnach einige Beiſpiele! Schiller war niemals in der Schweiz, und wie anziehend, treu und wahr hat er uns dennoch in ſeinem herr⸗ lichen DramaWilhelm Tell nicht nur das Volk, ſondern auch die Oertlichkeiten beſchrieben! Wie lebendig verſetzt uns ſogleich der Anfang des Stücks in die ge⸗ müthlichen, einfachen, unſchuldigen Scenen des Landlebens, des Fiſcher⸗ und Alpen⸗ lebens! Indem wir den Kuhreigen und das harmoniſche Geläute der Heerden⸗ glocken hören, ſingt der Fiſcherknabe von der Lieblichkeit des Bades in dem See, der Hirt auf dem Berge:Ihr Matten lebt wohl, ihr ſonnigen Weiden, der Senne muß ſcheiden, der Sommer iſt hin, und der Alpenjäger ſingt von den gefährlichen Bergpfaden und von des Schützen Kühnheit:Es donnern die Höhen und zittert der Steg, nicht grauet dem Schützen auf ſchwindligem Weg. Er ſchreitet verwegen auf Feldern von Eis. Da pranget kein Frühling, da grünet kein Reis. In wie