Aufsatz 
Prolegomena zu Schillers Dramen
Entstehung
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Zweck der Befreiung Europas aus ihren Eisſteppen nach ſeinem Grabe rief, mögen nur wenige geahn haben, wie herrlich Schiller das ruſſiſche Volk auf der deutſchen Bühne würde haben erſcheinen laſſen, wenn ihm ein längeres Leben vergönnt geweſen wäre. Mit dieſem großen prophetiſchen Sinn, der ihn ſchon in ſeinem erſten Stück die franzöſiſche Revolution vorahnend darſtellen ließ, iſt er von uns geſchieden.

Aber dennoch würden wir immer noch befürchten in die Irrthümer Hinrichs'ſcher Speculation oder in die Hettner'ſche Afterkritik zu verfallen, wenn wir glaubten, ſelbſt nach dieſem Schema, überhaupt nach irgend einem Schema ſämmtliche dramatiſchen Pläne Schiller's beſprechen zu können. Hier muß vielmehr eine gewiſſenhafte Erforſchung von Schiller's Lebensverhältniſſen, von dem Einfluß, den ſeine Lectüre, ſein Umgang, ſeine Zeitgenoſſen, die damalige Zeitſtrömung auf ihn ausübten, eintreten. Nur dies ſei uns noch zu bemerken verſtattet, daß es die Gemeinheit und Mittelmäßigkeit war, deren größter Feind nicht blos Schiller's dramatiſche Helden ſondern Schiller ſelbſt war, im Leben wie in ſeiner ganzen Schriftſtellerthätigkeit. Ich brauche nur an die Kenien zu erinnern, in denen, nach Goethe's eigenem Geſtändniſſe, Schiller viel kampffertiger, viel thatkräftiger war als er. Aber wie dieſes Geſchlecht nicht auszurotten iſt, ſo hat es auch unſre großen Geiſter überlebt und macht ſich über ihren Gräbern breit, ſo daß uns mit Palleske nur der Troſt übrig bleibt, daß alle dieſe Kritiken bald in ihr Nichts zurückſinken werden, wenn Schiller's Dichtungen in ewiger Jugendkraft von Geſchlecht zu Geſchlecht fortleben:

Denn hinter ihm, im weſenloſen Scheine, Lag, was uns Alle bändigt, das Gemeine.