Aufsatz 
Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Reichsstadt Frankfurt / von Friedrich Bothe
Entstehung
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Aber nicht nur die Einnahmen, auch die Ausgaben der Stadt in den verschiedenen Zeitläufen festzustellen, ist eine lohnende Aufgabe. Geben uns jene an, wie grols die Be- lastung der Bürgerschaft zur Unterhaltung der Stadt gewesen ist und welche Maſsnahmen von den Leitern einer bedeuten- den mittelalterlichen Kommune getroffen wurden, um die ihnen gestellten Aufgaben zu lösen, lernen wir aus ihnen die finanzielle Kraft des Gemeinwesens kennen, so decken uns die Ausgabeposten die Pflichten auf, die einer Stadtgemeinde in früheren Jahrhunderten oblagen, und gegebenenfalls die Liebhabereien der Stadtoberhäupter.

Freilich ist die Benutzung der Rechenbücher nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint. Man ist ge- neigt, aus dem Vorhandensein einer Reihe guterhaltener Stadtrechnungen den Schluſs zu ziehen, daſs man nur die Gesamteinnahme und-ausgabe verschiedener Zeiten nach dem jeweiligen Geldwerte in Anschlag zu bringen habe, um einen Mafsstab zu gewinnen, an dem man die wirtschaftliche Ent- wicklung der Stadt aufs genaueste feststellen könne, ebenso wie an dem Steigen und Sinken des Ertrages der Einzel- posten die wirtschaftlichen Veränderungen innerhalb der bürgerlichen Tätigkeit, an dem Ergebnis der Bedeerhebung die Wirkung neuer Steuergesetze, an dem Auftauchen neuer Einnahme- und Ausgabetitel die kulturellen Wandlungen, die sich im Laufe der Zeiten vollzogen haben.

Aber dem exakten Gelingen eines solchen Versuchs, ver- schiedene Zeiten auf Grund der Gröſse von Einnahmen und Ausgaben in Vergleich zu stellen und wirtschaftlich zu charakterisieren, stehen grofse, ja manchmal unũbersteigbare Hindernisse entgegen, die um so erheblicher sind, je weiter die betreffenden Zeiträume voneinander entfernt liegen.

Freilich fliefst jene für die Kenntnis der städtischen Wirtschaft früherer Tage so überaus wichtige Quelle in unserer Stadt gar reich, wenn auch bisher noch wenig aus ihr geschöpft worden ist: seit dem Jahre 1348 sind die Jahresrechnungen in guterhaltenen und gutgeschriebenen Bänden fast in ununterbrochener Folge vorhanden ¹. Die Art, wie im ersten Bande mehrere Jahrgänge hintereinander stehen, und die Stellung, die damals noch die Bedeerheber bei gröfseren Ausgaben einnahmen ², läfst mich glauben, daſs in dem Rechenbuche von 1348/51 uns wirklich das älteste offi- zielle Verzeichnis von den städtischen Einnahmen und Aus- gaben erhalten ist. Vorher wird man sich mit privaten Auf- zeichnungen begnügt haben. Machte doch erst das 14. Jahr-

1 Zur Ergänzung der Lücke 1596 1602 können die Diurnale, die Konzepte des Rechenschreibers, benutzt werden. 2 Vgl. Bothe, Steuer a. a. O. Teil II.