J. Aus Frankfurts alten Rechenbüchern.
a. Zur Charakteristik der Rechenbücher.
Das Feld der Wirtschaftsgeschichte Frankfurts harrt noch gröſstenteils der Bestellung. Nicht nur, dafs der Handel, der doch der Stadt das Gepräge aufdrückte, einer Monographie immer noch entbehrt i, auch die innere Struktur der Stadt- wirtschaft erheischt eine Beurteilung. Man sollte meinen, dafs die für das wirtschaftliche Leben Deutschlands so über- aus wichtige Meſsstadt längst ein Anrecht auf sorgsame Durchforschung ihres ganzen Haushalts besessen hätte, eher als jede andere Stadt. Dies aber um so mehr, als in Hülle und Fülle wertvolles Material für solche Untersuchungen im Stadtarchiv vorhanden ist. Dadurch, dafs Bücher?„den ganzen Gliederbau“ dieses„kleinen sozialen Körpers mit dem Seziermesser der statistischen Methode blofsgelegt“ hat, ist freilich für die Kenntnis des mittelalterlichen Frankfurt ein groſser Schritt in dieser Richtung vorwärts getan. Kann man doch vermöge jener epochemachenden Arbeit die Gröſse und die Zusammensetzung der mittelalterlichen Stadtbevölke- rung klar überschauen. Nun handelt es sich aber darum, zu ergründen, wie die Einzelwirtschaften einander ergänzt, welche Rolle die einzelnen Gruppen im städtischen Haushalte, besonders in ihrer Eigenschaft als Finanzquelle, gespielt haben. Dabei wird auch die Frage beantwortet werden müssen, inwieweit die Frankfurter Bürgerschaft durch Eigen- handel zum Aufblühen der Messen beigetragen hat. Ferner muſs geprüft werden, welche Einnahmen der Stadt aus den indirekten Abgaben wie aus den direkten Steuerns erwachsen sind. Die ersteren wurden von den zur Meſszeit zusammen- strömenden Fremden mitgetragen, während die letzteren fast ganz von den Bürgern aufgebracht wurden.
¹ Dietz, Frankfurter Bürgerbuch. 1897, 141.
²2 Die Bevölkerung von Frankfurt a. M. im 14. u. 15. Jahrhundert. 1886.
³ Bothe, Die Entwicklung der direkten Besteuerung in der Reichs- stadt Frankfurt bis zur Revolution 1612— 14. Staats- u. sozialwissen- schaftliche Forschungen. Duncker& Humblot. Leipzig. 1906.
Bothe, Beiträge. 1


