Aufsatz 
Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Reichsstadt Frankfurt / von Friedrich Bothe
Entstehung
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Vorwort. V

von Jahr zu Jahr. Wer die Umrechnung dieser oder jener Zahl. benötigt, wird sie an der Hand des von mir in der Einleitung zurSteuergeschichte gegebenen Schemas vornehmen können.

Daſs ich aber davon abgesehen habe, die Kaufkraft, die den jeweiligen Geldsummen heute eigen sein würde, mit katego- rischer Bestimmtheit festzustellen, wird man wohl bei der ablehnenden Haltung, die Lamprecht, Inama, Soetbeer, Luschin zu dieser Frage einnehmen, durchaus billigen. Ganz abgesehen davon, daſs unsere metrologischen Kenntnisse bisher noch nicht mit Sicherheit gestatten, die Korn- und Weinmafse von heute in Beziehung zu setzen zu denen früherer Jahrhunderte, spielen viele Waren heute eine ganz andere Rolle im Haus- halte des Menschen als früher, so z. B. das Getreide, dessen wirtschaftliche Wichtigkeit durch andere Lebensmittel, nament- lich die Kartoffel, eingeschränkt worden ist. Auch ist z. B. ein Morgen Acker heute seiner Ertragfähigkeit nach ein ganz anderes Objekt als in den Zeiten der extensiven land- wirtschaftlichen Tätigkeit. Man wird deswegen an den Preis- veränderungen des korntragenden Bodens den Wandel des Geldwerts unmöglich richtig erkennen können. Aber auch den Tagelohn kann man nicht zum Wertmesser machen für weit voneinander liegende Zeiten. Die soziale Wertung der Arbeit hat mit dem Steigen und Fallen der Preise nicht gleichen Schritt gehalten. Ein ehernes Lohngesetz gibt es nicht.

Man wird daher zu völlig sicheren zahlenmäſsigen Resul- taten kaum gelangen können. Wohl aber ist es möglich, für ein einzelnes Gebiet die Richtung anzugeben, in der sich die Kaufkraft des Geldes verändert hat.

Anders ist es, wenn es sich um die Wandlung handelt, die der Geldwert in einem engerbegrenzten, von denselben Arbeitsformen und Lebensbedingungen beherrschten Zeit- abschnitte in einer bestimmten Gegend durchgemacht hat, wo auch Maſs und Gewicht dieselben geblieben sind. Bisher hat es aber in Frankfurt noch an jeder Grundlage für solche Erörterungen gefehlt. Ich habe daher im dritten Teile meiner Steuergeschichte ein umfangreiches Material aus den Rechen- büchern zusammengestellt und, wenn auch nur in groſsen Zügen, da das Thema eine eingehende Behandlung nicht zulieſs, den Versuch gemacht, die Veränderung der Kaufkraft im 16. Jahrhundert nachzuweisen.