IV Vorwort.
arbeitung dieser umfangreichen, 95(!) Bände zählenden Auf- zeichnungen hat mich in den Stand gesetzt, mir ein klares Bild von den politischen, religiösen und vor allem von den wirt- schaftlich-sozialen Zuständen jener Zeit zu machen. Darüber eingehend zu handeln, muſs ich einer späteren Arbeit vor- behalten.— 4
Zwei Ansichten sind bisher aufgestellt worden über den Charakter der Unruhen. Einerseits glaubte man sie als rein politischen Ursprungs ansprechen zu müssen: es wäre ein Ringen um das Stadtregiment gewesen. Man hätte es dann also hier mit einer Nachblüte der Zunftkämpfe gegen das Patriziat zu tun. Andere nahmen als die Hebel der ganzen Bewegung den Haſs gegen die Juden und die Erbitterung über die Miſswirtschaft des Rates an. Es wird sich aber zeigen, dafs all diese Momente, zu denen sich noch das religiöse gesellte, nur mitwirkende oder treibende Kraft be- sessen haben. Das eigentliche Motiv ist ökonomischer Natur gewesen: Die wirtschaftliche Not führte die Bürgerschaft zur Anwendung der Selbsthilfe. Und diese kritische Wirtschafts- lage ist durch ganz andere Umstände geschaffen worden, als man bis jetzt hat vermuten können. Um das zu erkennen, bedurfte es des Studiums der Bürgermeisterbücher, der Hand- werkerakten, der Stadtrechnungen und der Steuerbücher.—
Die im Anhange gegebenen statistischen Berechnungen waren äufserst zeitraubend. Beim Lesen der Korrektur sind die Zahlen nochmals nachgeprüft worden. Sollte dennoch ein kleineres Versehen untergelaufen sein, so mag das durch den Hinweis seine Erklärung finden, daſs mir mein Lehramt nur selten die zu den schwierigen Studien nötige Mulse in hinreichender Weise vergönnt hat. Die Beweiskraft der Tabellen wird auch durch den Nachweis eines solchen kleinen Fehlers nicht beeinträchtigt werden können.
Dals ich in der Übersicht über die Entwickelung der städtischen Wirtschaft nicht immer den Metallwert der Geld- summen angegeben habe, hat seinen Grund in dem Plane der Arbeit. Es kam nur darauf an, die Veränderungen aufzudecken, die im Laufe des 16. Jahrhunderts¹) eingetreten sind, nicht die
¹) Bücher, Der öffentliche Haushalt der Stadt Frankfurt im Mittel- alter. Zeitschrift für die ges. Staatswiss. V. 1895.(Vortrag, gehalten auf der III. Versammlung deutscher Historiker in Frankfurt a. M. 1895.)


