39
8 Am Sonntag den 18. Juni folgten, wie in den früheren Jahren, die katholischen Lehrer und
Schüler des Gymnasiums der Fronleichnamsprocession.
9. Vom 16. bis zum 30. Juni war die Schulcommission für Gymnasialangelegenheiten, im Auftrage Kurfürstlichen Ministeriums, in Fulda versammelt, um mit fünf Candidaten des Gymnasiallehramtes die für dasseibe vorgeschriebene praktische Prüfung vorzunehmen, welcher mehrere Tage hindurch auch der vor- tragende Rath im Ministerium des Innern, Herr Consistorialrath Dr. Vilmar beiwohnte. Der Director war, als Mitglied der gedachten Commission, während der angegebenen Zeit seine Lehrstunden zu besorgen
verhindert.
10. Am 25. Juni wurden 11 katholische Schüler, nachdem sie von dem Gymnasiallehrer Hahn in besonderen Unterrichtsstunden vorbereitet worden waren und in der Gymnasialkirche die h. Sacramente der Busse und des Altares empfangen hatten, von ihren Religionslehrern zum h. Sacramente der Firmung geführt, welches von dem Hochwürdigsten Herrn Diöcesanbischofe in hiesiger Stadtpfarrkirche gespendet
wurde.
11. nurch Allerhöchstes Rescript vom 15. Juni, mitgetheilt durch Ministerialbeschluss vom 30. Juni, wurde der Gymnasialhülfslehrer Dr. Friedrich Gross von dem hiesigen Gymnasium, an welchem er seit Januar 1853 gewirkt halte, in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium zu Cassel allergnädigst versetzt. Der genannte Lehrer, welcher mit dem Beginne der Sommerferien aus seiner hiesigen amtlichen Stellung aus- schied, hinterliess uns das Andenken einer pflichttreuen, eifrigen und erfolgreichen Thätigkeit und wurde von uns mit den besten Wünschen in seinen neuen Wirkungskreis begleitet.
12. Durch Allerhöchstes Rescript vom 15. Juni, mitgetheilt durch Ministerialbeschluss vom 30 Juni, wurde der Gymnasialhülfslehrer Dr. Christian Ostermann von dem Gymnasium zu Cassel in gleicher Eigenschaft an das hiesige Gymnasium allergnädigst versetzt. Der genannte Lehrer, welchem für das laufende Schuljahr die Functionen seines Vorgängers Dr. Gross und zwar der griechische und deutsche sowie lateini- scher Unterricht in der Obertertia(Cäsar, Grammatik und Exercitien) nebst dem Ordinariate dieser Classe und der griechische Unterricht in der Quarta übertragen worden war, erkrankte leider während der Sommerferien in seiner Vaterstadt Hersfeld und konnte erst am 21. August bei dem Gymnasium in Thätigkeit treten. Da in der Zwischenzeit nur der griechische Unterricht in der Ouarta vertretungsweise besorgt werden konnte, die Schüler der Obertertia dagegen in den angeführten Lehrgegenständen mit denen der Unterterlia ge- meinschaftlich unterrichtet werden mussten, so konnte diese unvermeidliche Combination, namentlich für die erstgenannte Classenabtheilung, nicht ohne Nachtheile bleiben, welche jedoch, wie bereits bemerkt, im Laufe des Schuljahres allmählich wieder ausgeglichen worden sind. Ueber seine früheren Lebens- und Amtsverhältnisse hat Dr. Ostermann dem Berichterstatter folgende Mittheilungen gemacht:
Christian Ostermann, Sohn des im Jahre 1830 verstorbenen Sladtsecretars Ostermann zu Hers- feld, wurde den 15. Juli 1822 zu Hersfeld geboren. Zu Neujahr 1833 trat er in das dortige Gymnasium, dem er bis Herbst 1841 als Schüler angehörte. Darauf bezog er die Universität Marburg und widmete sich dem Studium der Philologie und Theologie. Philologische Vorlesungen hörte er anſangs bei C. Fr. Hermann, später bei Bergk und Rubino; philosophische bei Sengler und Koch; iheologische bei Hupfeld, Kling, Rettberg und Henke; war drei Jahre lang Mitglied des philologischen Seminars und bestand im


