37
stand der Schüler im Allgemeinen minder günstig als in den zunächst verflossenen Schuljahren, indem in der ersten Hälfte des Sommersemesters mehrere der jüngeren Schüler von den hier damals herrschenden Masern ergriffen, während des Wintersemesters aber eine nicht unbedeutende Anzahl Schüler, namentlich aus den oberen und mittleren Classen, unter dem Einflusse der ungünstigen Witterungsverhälinisse von rheumatischen und katarrhalischen Leiden befallen und dadurch auf kürzere oder längere Zeit am Schul- besuche gehindert wurden. Auch sind wir durch den Tod dreier hoffnungsvoller Schüler in Trauer ver- setzt worden.
Im Besonderen ist aus der Chronik des Gymnasiums Nachstehendes zu berichten:
1. Wenige Tage vor dem Beginne des neuen Schuljahres wurde das Lehrercollegium schmerzlich be- rührt durch den Tod des ersten Pfarrers der hiesigen evangelischen Gemeinde, Herrn Oberconsistorialrath Dr. Wiss, welcher am 17. April nach kurzer Krankheit aus einem rastlos thätigen Leben abgerufen wurde. Der Verewigte, welcher früher ebenfalls dem Lehrerstande angehört und eine lange Reihe von Jahren einem der vaterländischen Gymnasien mit erfolgreicher und verdienstvoller, auch ausserhalb der Gränzen seines engeren Vaterlandes ehrenvoll anerkannter Berufsthätigkeit vorgestanden hatte, war im Sommer 1839 in die erwähnte amtliche Stellung in hiesiger Stadt eingetreten und hatte seitdem, fast fünf- zehn Jahre hindurch, den evangelischen Schülern des Gymnasiums, deren religiöse Erbauung er auch durch eindringliche und herzliche Kanzelvorträge zu befördern bestrebt war, den Conſirmandenunterricht ertheilt und war überdies im Frühjahre 1853 zu dem hiesigen Gymnasium durch seine Bestellung zum Commissar ges Consistoriums zu Hanau für die Beaufsichtigung des evangelischen Religionsunterrichts an der ge- nannten Anstalt(s. die Schulnachrichien zum Programme d. gen. Jahres) in ein noch näheres amtliches Ver- hältniss getreten. Hatte sich der Verewigte schon in den genannten Beziehungen, in welchen er zu dem Gymnasium stand, die gerechtesten Ansprüche auf unsere Achtung und Zuneigung erworben, so ist ihm unsere Anstalt auch für die von ihm derselben bei vielen Veranlassungen bewiesene wohlwollende und freundliche Gesinnung, welche er namentlich durch häuſige Theilnahme an den öffentlichen Prüfungen und Schulfeierlichkeiten in ermunternder Weise kundgab, sowie endlich durch seine fördernde Mitwirkung bei der im Herbste 1852 erfolgten Begründung der„Wohlthäterstiftung für dürftige und würdige Schüler des Gymnasiums zu Fulda“ zu ganz besonderer Dankbarkeit verpflichtet. Da der 20. April, an welchem Tage die feierliche Bestattung des Verewigten erfolgte, in die Ferien fiel, mithin die Schüler zur Theil- nahme an derselben nicht versammelt werden konnten, so konnte leider nur das Lehrercollegium, welches sich zu diesem Zwecke im Gymnasialgebäude vereinigt hatte und von da dem Trauergefolge sich anschloss, den Verewigten in Erweisung der letzten Ehre zur Ruhestätte geleiten, an welcher der Amtsgenosse des- selben, Herr Inspector Wendel, die Vorzüge und Verdienste des Hingeschiedenen in einfacher, wahrer, alle Anwesenden tief ergreifender Weise schilderte und seinem Schmerze über den Verlust des verehrten Freundes und Mitarbeiters durch Entwerfung eines treuen Lebensbildes desselben einen wahrhaft würdigen Ausdruck lieh. Auch unsere Anstalt wird ihrem hingeschiedenen Freunde und Wohlthäter stets die dank- barste Erinnerung bewahren. Ehre seinem Andenken! Friede seiner Asche!
2. Das Schuljahr wurde am 24. April im Prüfungssaale mit Choralgesang der Schüler, Gebet und Anrede des Directors, Verlesung und Erläuterung der Schulgesetze ſeierlich eröſtnes Nach der Eröff-


