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iſt der herrſchende Wille, daß der Zweck des Daſeins des Menſchengeſchlechtes im Menſchengeſchlecht wirklich erreicht werde. Patriotismus iſt, daß dieſer Zweck erreicht werde zu allererſt in derjenigen Nation, deren Mitglieder wir ſelber ſind, und daß von dieſer aus der Erfolg ſich verbreite über das ganze Geſchlecht. Daraus ergiebt ſich, daß es gar keinen Kosmopolitismus überhaupt wirklich geben könne, ſondern daß in der Wirklichkeit der Kosmopolitismus notwendig Patriotismus werden müſſe. Wo irgend der herrſchende Wille iſt, daß der Zweck des Menſchengeſchlechts erreicht werde, da bleibt dieſer Wille nicht unthätig, ſondern er bricht aus, arbeitet und wirkt nach ſeiner Richtung. Er kann aber nur eingreifen in die nächſten Umgebungen, in denen er unmittelbar als lebendige Kraft lebt und da iſt. So gewiß er nun in irgend einem Staate lebt, wird jeglicher Kosmopolit ganz notwendig vermittelſt ſeiner Beſchränkung durch die Nation zum Patrioten, und Jeder, der in ſeiner Nation der kräftigſte und regſamſte Patriot wäre, iſt eben darum der regſamſte Weltbürger, indem der letzte Zweck aller Nationalbildung doch immer der iſt, daß dieſe Bildung ſich verbreite über das Geſchlecht.“
Im Grunde genommen ſind wir dem patriotiſchen Redner, der ein ander Mal ſagte, ein Volk könne den Hochmut gar nicht laſſen, noch obendrein Dank ſchuldig, daß er den Mund ſo voll genommen hat; denn nur durch ſolche Erhebung der deutſchen Vorzüge erlangten unſere Väter den Mut gegen den korſiſchen Koloß die Waffen zu erheben. Der Gedanke, daß„kein Menſch und kein Gott und keines von allen im Gebiete der Möglichkeit liegenden Ereigniſſen uns helfen kann, ſondern daß allein wir ſelber uns helfen müſſen, falls uns geholfen werden ſoll“ durchzieht die vierzehn Reden wie ein roter Faden; ſie ſchließen mit der Beſchwörung an ſeine wirklichen und gedachten Zuhörer, an die Jünglinge, die noch erregbar für das Gute und Tüchtige ſind, an die Alten, die Begeiſterung der Jugend durch ihre Weisheit nicht zu dämpfen, an die Geſchäftsmänner, dem Materialismus zu Gunſten des Idealismus Valet zu ſagen, an die Denker, ſich dem praktiſchen Leben nicht zu ſehr zu entfremden, an die deutſchen Fürſten, die Treue ihrer Völker durch Erfüllung ihrer Wünſche zu belohnen, an die Deutſchen insgeſamt über den angeregten Gegenſtand nachzu⸗ denken und zu thun, was gerade jedem an ſeinem Platze am nächſten liege. Dann werde man dahin gelangen, die fremden Eindringlinge aus Deutſchland hinauszuwerfen.
Dieſer Glaube an die Möglichkeit der Fortexiſtenz der deutſchen Nation, der Schmach, die über ſie hereingebrochen, zum Trotze, erforderte faſt noch mehr Mut als dazu gehörte, unter den Wirbeln franzöſiſcher Trommeln jene Reden zu halten und dabei gewärtig zu ſein, das Schickſal Palms zu teilen.
„So groß, tief und ſtolz“, ſagte ſelbſt der blaſierte Fr. Gentz,„hat noch Niemand vor der deutſchen Nation geſprochen“, wir aber können hinzuſetzen, ſeit Luther's Tagen auch Keiner ſo wirkungsvoll; denn was anderes als die heilige Flamme jener höheren von Fichte entzündeten Vaterlandsliebe, die nicht nur der Gegenwart, ſondern auch der Nachgeborenen gedenkt, trieb den Wohlhabenden aus ſeinem behaglichen Heim, den andrer Güter baren Armen von Weib und Kind, ließ Knaben und Greiſe die Schulbücher und den Stab vertauſchen mit dem kriegeriſchen Eiſen, ließ Frauen, andrer Habſeligkeiten ermangelnd, ſelbſt ihr Haar auf dem Altar des Vaterlandes opfern.
Vornehmlich war es die ſtudierende Jugend, in deren Herzen Fichtes Worte einſchlugen; ein Puritanismus im beſten Sinne des Wortes erfüllte ſie noch lange Jahre hinaus über die Zeit der Franzoſenherrſchaft; als Rektor und Lehrer der auf ſeine Anregung mit gegründeten Berliner Univerſität war es ihm vergönnt, dieſen Geiſt zu pflegen. Wenn auch nicht ohne Fichtes Schuld der jugendliche Patriotismus zur Deutſchtümelei wurde, ſo war doch der Segen größer als der Unſegen. So lange der Meiſter, der die Geiſter beſchworen, lebte, zeigten ſich nur die ſegensreichen Folgen ſeiner Anregung.
So ungermaniſch auch der Gedanke Fichtes war, daß der Staat ſelbſt durch Monopoliſierung der Erziehung das Werk der Befreiung vorbereite und fördere, einen ebenſo echt germaniſchen Charakter trug die That der Selbſtbefreiung vom franzöſiſchen Joche. Sie wurde nicht obrigkeitlich befohlen, ſondern ſie war, wie die Reformation, der Ausfluß einer tiefen Gemütserregung der Maſſen. Auch unſer patriotiſcher Philoſoph blieb eingedenk ſeines Wortes, das er einmal ſeiner


