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Braut geſchrieben„ich will nicht reden, ſondern handeln“. Als des Königs Ruf an ſein Volk erging, trat er, dem Äſchylus und Cervantes, wie er längſt gewünſcht, nacheifernd, mit ſeinem ſechszehnjährigen Sohne in den Landſturm und wurde gewiſſermaßen ein Opfer des heiligen Krieges, indem ſeine in den Lazaretten thätige Gattin auf ihn den Keim eines tötlichen Fiebers übertrug.
Auf ſein Sterbelager brachte ihm ſein Sohn die Kunde von Blüchers Rheinübergang, und damit fiel ein letzter heller Schein in die Schatten des Todes.
Wie er ſich die Möglichkeit eines einigen nationalen Dentſchlands dachte, iſt gleich am Eingang dieſer Abhandlung geſagt worden und wenn auch nicht in betreff der Zeit der Einigung, ſo doch in Hinſicht auf die Bedingungen derſelben hat ſich Fichte als ein glänzender Prophet bewährt.
Es bleibt mir noch übrig die Vergleichpunkte, ſofern ſie die Männer ſelbſt betreffen, kurz zuſammenzufaſſen. Keiner der drei, weder der attiſche Rhetor, noch der florentiniſche Staatsmann, noch auch der deutſche Philoſoph endete als das, was er am Anfange ſeiner Laufbahn geweſen war. Wir ſahen die Vertreter der beiden Südvölker ſich erſt mühſam ihres Lokalpatriotismus, der bei der Bedeutung ihrer Vaterſtadt ſeine Berechtigung hatte, entäußern, und nur dem Florentiner gelang dieſe Häutung völlig, während Iſokrates ſchließlich doch im Konflikt zwiſchen Athenismus und Hellenismus verſchied. Fichte dagegen als der Sohn eines zur Nullität herabgeſunkenen Mittelſtaates blieb von ſolchem Sonderpatriotismus verſchont, und auch nach Preußen übergeſiedelt, fühlte er ſich nicht als Bürger dieſes Staates insbeſondere, erſt die Betrachtung der Geſchichte und Geſchicke ſeiner neuen Heimat machten den bisherigen Kosmopoliten zum Nationalpatrioten. Ihr gemeinſames Thema war, daß der Einzelne ſelbſt mit dem Leben für das Wohl der Gattung einzuſtehen habe und deßhalb betonten alle drei die Notwendigkeit der nationalen Wehrpflicht. Die ſanguiniſchen Südländer hoffen ſchon von der Gegenwart die Herbeiführung eines beſſeren Standes der Dinge, der norddeutſche Philoſoph vertraut ſeine Erwartungen dem Schoße der Zukunft an. Von gewaltigen Kriegsfürſten erwarteten jene das Heil, von einer inneren Sammlung, deren Früchte noch Jahrhunderte zur Reifung brauchten, erhoffte es Fichte.
Die heißblütigen Hoffnungen der beiden Südländer erfüllten ſich nicht. Griechenlands beſſere Zukunft ſank mit König Philipp II ins Grab und ein erneuter Verſuch eines andern mazedoniſchen Philipp, Griechenland durch ein nationales Band zu einen, ſcheiterte an ſtarker Parteileidenſchaft und an Roms Intervention. Die Ruhe eines Kirchhofs und die Schrecken der Tyrannei herrſchten abwechſelnd in dem unglücklichen Lande, bis im Anfang unſeres Jahrhunderts unter der moraliſchen Einwirkung der deutſchen Befreiungskriege Hellas, kaum noch der Schatten ſeiner einſtigen Weſenheit, des Türkenjoches ledig wurde, und als ein nationaler, wenn auch ſchwächlicher Körper Europa gezeigt wurde.— Auch des Florentiners kühne Erwartungen zerfloſſen fürs erſte in Nichts; erſt in unſerm Jahrhundert gebar das gemißhandelte Italien, zwar nicht ein Doppelweſen von Löwen und Fuchs, wie es ſich Machiavelli gewünſcht hatte, aber doch einen Löwen und einen Fuchs in der dritten Potenz, welche zuſammen in einem Bau hauſten. Als man 1869 Machiavellis vierhundertjährigen Geburtstag feierte, war ſeine Vaterſtadt Florenz die Capitale der bis auf den Kirchenſtaat geeinigten Halbinſel; ein Jahr ſpäter wurde es Rom, das Arnold von Brescia und Cola di Rienzi dazu beſtimmt hatten, und die neueſte Gegenwart bewahrheitet, was Machiavelli zu wiederholen nicht müde ward, daß nänlich die Einigkeit und Unabhängigkeit Italiens keinen ärgeren Feind habe als den Nachfolger Petri ſelbſt, der niemals Macht genug beſaß zu helfen, aber ſtets übergenug, um zu ſchaden, und er bedauert es aufrichtig, daß Giovanni Paolo Baglioni, der Tyrann von Perugia, feigerweiſe es unterließ, den Papſt Julius II und ſeine Kardinäle, die ſich unvorſichtig in ſeine Gewalt begeben hatten, zu töten.„Er hätte damit eine That vollbracht, deren Größe jeden Vorwurf, jede Gefahr, die daraus hervorgehen konnte, überwogen hätte.“
Die Erwartungen des deutſchen Ideologen wurden am eheſten zur That. Als man 1862 die Säkularfeier der Geburt Fichtes in ganz Deutſchland feſtlich beging und ſich an den Thaten, zu denen er mitgewirkt hatte, begeiſterte, lagen ſchwere Wolken über Deutſchland. Preußen war ſchnell von der Höhe, die es in den Freiheitskriegen erklommen hatte, herunter geſunken, wieder


