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gelang es dem Zerſtörer Thebens, wie ſeinem Vater, daß ihn die Hellenen zu ihrem oberſten Kriegs⸗ herrn gegen den Perſerkönig machten, aber für Alexander war die Union ſeines Stammlandes mit Hellas nur ein Mittel zur Erreichung von Plänen, welche der Nationalität überhaupt und den wahren Intereſſen des Griechentums insbeſondere abhold waren. Das nationale Heer, an deſſen Spitze ſ. Z. König Philipp aufgetreten war, war für die an Mietstruppen gewöhnten Zeitgenoſſen etwas Neues, mit dieſer Armee hätte er ſiegen müſſen. Die Anwendung einer nationalen Streit⸗ macht hat aber ihre geographiſchen Grenzen, je weiter und je länger von der Heimat entfernt, deſto mehr wird der Soldat aufhören ſich als Glied eines Volkes zu betrachten, er wird vielmehr mehr und mehr das Lager als ſeine eigentliche Heimat zu betrachten anfangen; ſo ging es den Schweden im 30jähr. Kriege, dahin brachte es abſichtlich der Sieger von Iſſus und Gaugamela bei ſeinen Mazedoniern; an die Stelle des Patriotismus trat der Korpsgeiſt. Alexander wurde der Schöpfer einer neuen Soldateska, für deren Ausbildung die Kämpfe unter ſeinen Nachfolgern ſorgten. Das mazedoniſche Volkstum, auf welchem die Zukunft von Hellas beruhte, wurde durch Alexanders univerſaliſtiſche, unnationale Politik vergiftet. In neuen Bruderkämpfen, die übrigens ſchon bei Lebzeiten des mazedoniſchen Eroberers begonnen hatten, verlor Griechenland endlich ſeine politiſche Unabhängigkeit an Rom; aber im Reiche des Geiſtes trat es eine deſto größere Herrſchaft an; ſchon Iſokrates hatte vom Hellenismus als einer Macht der Zukunft geſprochen; wenn auch ſeine ſchöpferiſche Ader verſiecht war, aus dem Überfluß ſeiner Geiſtesprodukte wurde Hellas die Lehr⸗ meiſterin der Welt.
Das gleiche Schickſal, Lehrmeiſterin der Menſchheit zu werden, ward auch Italien, welchem Griechenland ſeine geiſtigen Schätze vererbte, beſchieden. ir verließen den Boden der Apeninen⸗ halbinſel in dem Zeitpunkt, als Karl VIII wie ein neuer Brennus in Italien hereinbrach und Deutſche und Spanier, wie Geier vom Geruch des Aaſes gelockt, ſeinem Beiſpiele folgten. Das Ringen derſelben um den Beſitz des ſchönen Landes war von wechſelndem Erfolg begleitet, und da keiner ſich der Hoffnung hingeben durfte, die anderen von der Beute auszuſchließen, ſo ſollte im Jahre 1514 eine Teilung unter die drei Mächte ſtattfinden. Dieſem beſchämenden Gedanken gegenüber klammerten ſich die Patrioten an die Hoffnung, daß das Haus der Medici, das um ſeiner Franzoſenfreundſchaft willen aus Florenz vertrieben und 1513 durch ſpaniſchen Einfluß wieder in den Beſitz der Stadt geſetzt war und deren einer gerade damals als Leo X auf Petri Stuhle ſaß, die Unabhängigkeit Italiens herbeiführen würde. Aber es war ein Gedanke, welchen nur die glühendſte Liebe zum Vaterlande eingeben konnte, und Nicolo Machiavelli, der Exſekretär von Florenz, der ſeiner Vaterſtadt die wichtigſten diplomatiſchen Dienſte geleiſtet hatte und von den zurückkehrenden Medicäern der Mitſchuld an einer gegen ſie gerichteten Verſchwörung geziehen und deshalb verbannt worden war, fand auf ſeinem ärmlichen Landgute San Casciano unweit Florenz unfreiwilliger Muße genug, von einer beſſeren Zukunft ſeines Vaterlandes zu träumen. Dieſes Traumgebild, ganz der Wahrheit und Wirklichkeit und politiſchen Notwendigkeit entnommen, war das Buch vom Fürſten. Durch dieſes wollte er ſich, weit davon entfernt zu ſchmeicheln, der Gunſt Giulianos und Lorenzos von Medici empfehlen. Ein Labyrinth von Gedanken hatte er zu durch⸗ laufen, ehe er an den Punkt anlangte, wo ihm die Möglichkeit und die Notwendigkeit der Einigung Italiens, ſollte es nicht aus der Reihe der Nationen getilgt werden, klar vor Augen ſtand.
Nicht zufrieden mit der Tyrannis von Florenz, welche ſie der Popularität ihres Oheims Leos X, des neuen Numa, wie ihn ſpeichelleckeriſche Poeten nannten, verdankten, trachteten die Neffen des Papſtes nach neuen Gebieten, in welchen ſie als wirkliche Fürſten auftreten könnten. Das Königreich Neapel, deſſen Dynaſtie 1512 ausgeſtorben war, ſowie das Herzogtum Urbino und die Gebiete von Parma, Modena, Piacenza und Reggio waren Gegenſtände ihrer Habſucht und ihres Ehrgeizes. Angeſichts der Parteikämpfe in der Emilia ſchien die Vereinigung der Provinzen Parma und Modena nicht ſchwer; war doch ein anderer Nepote, Cäſar Borgia, der ruchloſe Sohn des ruchloſeren Alexander VI auf dem beſten Wege geweſen, die zerriſſene Romagna zu einigen. Was der eine gekonnt hatte, warum ſollte es der andere nicht können?


