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Auch weiß der Vater der Geſchichte zu erzählen, daß die nachmals ſo genannten Dorer aus Theſſalien in das Thal des Haliakmon verdrängt, dort Mazedonier geheißen hätten, und noch andere, wenn ſie auch nicht den Urſprung des ganzen Volks auf peloponeſiſche Einwandrer zurück⸗ führen, laſſen doch wenigſtens ſolche ſchon in unvordenklicher Vorzeit den Mazedoniern helleniſche Geſittung bringen und unter ihnen die Herrſchaft führen. Kein Zweifel, ſie verhielten ſich zu den Hellenen mindeſtens ſo wie die Nordgermanen zu den Südgermanen, und die Frage, ob Hellas aus Mazedonien oder letzteres aus erſterem ſeine Bewohner erhielt, iſt ebenſo zweifelhafter Natur wie die, ob die Deutſchen aus Skandinavien in ihre jetzigen Sitze oder die Skandinavier aus Deutſchland in ihre nunmehrige nordiſche Heimat wanderten. Jahrhunderte hindurch greift die Geſchichte dieſer Nordhellenen nur wenig ein in die ihrer fortgeſchrittenen Brüder jenſeit der kambuniſchen Berge, erſt ſeit den Tagen des Darius und Xerxes, als die Könige Mazedoniens den Schwerpunkt ihrer Macht aus dem nördlichen Hochland in die ſüdliche Küſtenebene verlegten, ſpielen ſie eine nicht unwichtige Rolle in der Geſchichte Griechenlands überhaupt; dieſe ſüdliche Küſtenebene i*ſt jetzt das eigentliche Mazedonien; um ſie dreht ſich ähnlich, wie die ſchwediſche Geſchichte um die Ebene ſüdlich von den Seen, die Geſchichte des ganzen Volkes, und die Goldbergwerke Thraziens werden alsbald der Erisapfel zwiſchen Athen und dem nordiſchen Königreich. Ein weiterer Ver⸗ gleich zwiſchen der Geſchichte des ſkandinaviſchen Nordens und der Mazedoniens drängt ſich un⸗ willkürlich auf. Analog wie Guſtav Adolf machte König Philipp ſeinem Volke das Wehrrecht zur Wehrpflicht: unter ſeinen Fahnen, ähnlich wie unter denen des Siegers von Breitenfeld, erſchien neben den feilen Söldnern, welche ſeit dem peloponeſiſchen Kriege die griechiſchen Heere bildeten, die erſte nationale Armee auf dem Kampfplatz von Erfolg zu Erfolg eilend, und wie zu den Zeiten des„Löwen aus Mitternacht“ war es ein religiöſer Krieg, in welchem Philipp in die Zwiſtigkeiten der Griechen eingriff. Die Nachricht von der Beendigung ſeines Kreuzzuges gegen die Phozenſer erweckte in Athen bei der mazedoniſchen Partei viele Freude, auch bei dem hochbetagten Iſokrates, ſchon deßhalb, weil dem Vergießen von Hellenenblut nun Einhalt gethan zu ſein ſchien und weil er in Philipp, vor dem die Siegesgöttin herſchritt, den Vollſtrecker ſeines Gedankens, den er einſt im Panegyrikos den Hellenen ans Herz gelegt hatte, gefunden zu haben glaubte. Damals hatte er keinen zu nennen gewußt, der Anſehen genug beſeſſen hätte, den Zwieſpalt der Hellenen zu be⸗ enden und ſie im Feſtmarſch nach Babylon und Egbatana zu führen, nur wenige Jahre ſpäter trat einer auf, der das Wort des attiſchen Rhetors in die That überſetzen wollte; es war Jaſon, der Tyrann von Pherae; ſein Name— er bedeutet„Heiland“— war glückverheißend; ein plötz⸗ licher Tod durch Mörderhand raffte ihn noch an der Schwelle des Verſuches dahin. Zu ungleich größerer Hoffnung berechtigte der mazedoniſche König. Ungleich größer waren die Macht und die Begabung des letzteren, ſeine Herrſcherſtellung war eine legitime, während an der des theſſaliſchen Jaſon, der damals noch immer empfundene Makel der Tyrannis klebte. So erſchöpft waren die größeren Staaten Griechenlands, daß ſelbſt die Pygmäen wie Phokis und Arkadien eine nicht ver⸗ ächtliche Rolle zu ſpielen verſucht hatten. In ſeiner„Rede an den Philippus“ zeigt ſich eine Klärung der Anſichten gegen früher; während er ehedem die Vorausſetzung der Einigkeit zum Zwecke eines aſiatiſchen Krieges ganz überſah, ſagt er jetzt, wer mit den Perſern Krieg führen will, muß zuvor die Griechen unter einander verſöhnen. Er ſieht alſo ein: ein Dritter muß es thun, da ſie es freiwillig doch nicht thun.
War aber die Adreſſe die rechte? War Philipp nicht vielmehr darauf bedacht, die Hellenen mit Hilfe ihrer eigenen Waffen zu unterjochen, wie ſeine Gegner ſagten? Iſokrates hält es für Verläumdung und giebt ſich ſogar dem Glauben hin, ſchon die Dankbarkeit, die er den vier Haupt⸗ ſtädten Griechenlands Athen und Theben, Sparta und Argos ſchulde, teils um der gemeinſamen Abſtammung von Herakles willen, teils um der Wohlthaten willen, die ſolche dem mythiſchen Ahn⸗ herrn der mazedoniſchen Königsfamilie erwieſen hätten, werde ihn deren Verſöhnung unter einander als ſeine Pflicht erkennen laſſen. Die Ausſöhnung der Großen werde die der andern im Gefolge haben und werde angeſichts der überaus traurigen politiſchen und ſozialen Zuſtände keine Herkules⸗ arbeit ſein. Iſokrates hofft auf etwas wie ein griechiſches Parlament; das werde der Anfang einer


