Aufsatz 
Isokrates, Machiavelli, Fichte : ein Essay / Jakob Engel
Entstehung
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graphie berichtet,als Staatsmann und Redner an der Leitung der öffentlichen Dinge ſich zu beteiligen; da ihm aber die Natur die weſentlichſten Erforderniſſe zum Redeu verſagt hatte, ohne welche ein Auftreten vor der Volksverſammlung ein Ding der Unmöglichkeit iſt, nämlich Mut und ſtarke Stimme, und da es ihn nichts deſto weniger trieb, ſich auszuzeichnen und ſich unter den Hellenen einen wiſſenſchaftlichen Ruf zu gründen, wie er ſelbſt ſagt, ſo nahm er ſeine Zuflucht zur ſchrift⸗ ſtelleriſchen Verwertung ſeiner Gedanken; dabei wählte er Gegenſtände nicht aus dem kleinlichen Alltagsleben oder aus den Gebieten, woraus andere gleichzeitige Sophiſten ihre Stoffe wählten, ſondern er behandelte Angelegenheiten, welche ganz Hellas und Könige betrafen, um durch deren Beſprechung zur Beſſerung der Staatsverwaltung und zur Veredelung der Einzelnen beizutragen.

In der ſogenannten Feſtrede demPanegyrikos, die ſcheinbar an einem der großen Nationalfeſte der Hellenen vor einem weiten Zuhörerkreis gehalten ſein ſoll, trat er unter dem Ein⸗ druck des antalcidiſchen Friedens zum erſten Male publiziſtiſch auf. Er will einer Politik der Verſöhnung das Wort reden, und nachdem er ſeine Vaterſtadt um ihrer nationalen und kulturellen Verdienſte willen in den Himmel erhoben und über die egoiſtiſche, vor keinem Mittel zurückſchreckende Politik Spartas, das ſeine Anſprüche auf Hegemonie längſt verwirkt habe, die Geißel ſeines Zornes geſchwungen, macht er den übrigens nicht neuen Vorſchlag, daß ganz Hellas ſich zum Nachekriege bez. zur militäriſchen Promenade gegen den ebenſo alten wie verächtlichen Feind der helleniſchen Götter, Einheit und Freiheit aufmachen ſolle. Mehr als es einſt die Perſerfurcht vermocht, hoffte er, daß der Perſerhaß eine Einigung der Hellenen zu ſtande bringen werde. Aber wie ſehr er auch ſeinen fingierten Zuhörern den Mund nach Aſiens Reichtümern wäſſrig machte, wie drohend er auch den Krater ſchilderte, auf welchem Althellas und das neue Hellas im Weſten ruhe, wie ſchrecklich er ihnen auch die Unthaten der Myriaden des Xerxes an Göttern und Menſchen darſtellte, wie kaſuiſtiſch er auch den eventuellen Bruch des antalcidiſchen Friedens zu be⸗ ſchönigen wußte, ſeinen Zweck erreichte er nicht, deshalb, weil er ſich in einem circulus vitiosus bewegte, denn zu einem Angriffskrieg gegen Perſien war die Einmütigkeit Vorausſetzung; der Idee des Iſokrates nach aber ſollte ſie die Folge des Krieges gegen Aſien ſein, und nur ein Offen⸗ ſivkrieg von Seiten des Perſerreiches, an welchen aber damals nicht zu denken war, konnte die Folge haben, welche Iſokrates wünſchte und erwartete. Nicht abgeſchreckt durch den Mißerfolg am der attiſche Publiziſt in ſpäteren Jahren unter andern Verhältniſſen und reicher an Erfahrung auf denſelben Vorſchlag zurück.

Auf eine freiwillige Einigung der Hellenen hatte Iſokrates gerechnet und wie wenig er von einem zwangsweiſen Verfahren dabei wiſſen wollte, hatte ſein Verhalten gegenüber dem zweiten attiſchen Seebunde gezeigt. Die verhängnißvollen Folgen der Niederlage Athens und die Auflöſung der Föderation ſollten ſich alsbald zeigen. Zwei Jahre vor dem Ausbruche des Krieges zwiſchen Athen und ſeinen mißvergnügten Bundesgenoſſen war in dem Lande jenſeit des Olympos, wo einſt, ſoweit ſich ihre Spur verfolgen läßt, die Wiege der Hellenen ſtand, durch manche Gefahr hindurch Philippos, der Sohn des Amyntas, auf den blutbefleckten Königsthron Mazedoniens gelangt, und wenige Jahre genügten ſeiner ſelbſt dem Feinde imponierenden Energie, um die mit Pflanzſtätten Athens bedeckte Halbinſel, welche ſich dreifingrig in die ägäiſche See hineinſtreckt, zu gewinnen und von den Thebanern zum Rächer an den Schändern des delphiſchen Heiligtums aufgefordert, den Schiedsrichter in den griechiſchen Händeln zu ſpielen und ſein Machtgebiet bis Thermopylae, der ſchmalen Eingangspforte von Mittelgriechenland, auszudehnen. Heftig platzten in Athen, welches nicht aufgehört hatte das Herz Griechenlands zu ſein, die Meinungen auf einander, weſſen man ſich von dem nordiſchen König zu verſehen habe. Er ſei kein Hellene, habe auch nichts mit den Hellenen gemein, ſondern ſei ein Barbar, läßt ſich Demoſthenes in überquellendem Pathos ver⸗ nehmen; die tiefe Stellung ſeines Volkes, noch mehr aber die Trümmer Olynths und andrer griechiſcher Städte, die unerhörte Behandlung ihrer Einwohner ſchienen gegen ſein Hellenentum zu ſprechen. Aber ſchon dem Aeſchylos, dem Sänger und Helden in einer Perſon, erſcheint das Volk im Gebiete des Haliakmon und Strymon ſtammverwandt mit denen, die vom Olympos, dem Sitze der Himmliſchen, bis zum Kap Tänaron, allwo es hinabgeht in das Reich der Nacht, wohnten.

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