Aufsatz 
Isokrates, Machiavelli, Fichte : ein Essay / Jakob Engel
Entstehung
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tung vor einer Einigung Deutſchlands unter Joſeph II der weſtfäliſche Frieden als die feſtzuhal⸗

tende Grundlage der deutſchen Reichsordnung angeprieſen. Als ein Unding bezeichnete Leſſings

Freund Nicolai die Idee eines deutſchen Nationalgeiſtes und nannte derartige Tendenzen,hämiſche

Parteizwecke, wogegen es aus dem öſterreichiſchen Walde, das Wort Pufendorfs beſtätigend,

wrcſchalie Öſterreich müſſe entweder an der Spitze Deutſchlands ſtehen oder es werde ſein eind ſein.

Aber nicht nur in den beiden deutſchen Großſtaaten, in deren einem alles durch ſchwarz⸗ weiße, in deren anderem alles durch ſchwarz⸗gelbe Gläſer betrachtet wurde, war einer nationalen Politik der Laufpaß gegeben, ſondern auch in den Staaten zweiten Ranges, wie Sachſen, Bayern, Hannover. Auf der Schwelle des 17. und 18. Jahrhunderts gerieten ſie durch die Beziehungen ihrer Kurfürſten zu Polen, Spanien und England in das Fahrwaſſer einer völlig undeutſchen Politik. Beherrſchende und Beherrſchte fanden ſich dabei in keinem Gegenſatz, indem in den Ge⸗ bieten dieſer Kategorie, auf Grund ihrer hiſtoriſchen Unbedeutendheit, die Unterthanen keinen andern Gegenſtand öffentlichen Intereſſes als den Hof kannten. Noch mehr an das Stillleben eines Kirch⸗ hofes erinnerten die dreihundert liliputaniſchen Territorien des Reiches, von denen manche ſüddeutſche, die ſich auch Staaten nannten, nicht mehr als ganze tauſend Einwohner zählten. Überall, auch in Preußen, ſobald der Held des ſiebenjährigen Krieges auf immer die wachſamen Augen geſchloſſen hatte, des Todes Geruch.

Seit dem Ende des dreißigjährigen Krieges waren die höheren Schichten der Geſellſchaft allenthalben verwälſcht und entſittlicht, von byzantiniſcher Glätte oder urgermaniſcher Ungeſchliffen⸗ heit, die Bürger in Engherzigkeit und Beſchränktheit verſunken, der Landmann geknechtet, die Kirche ein Muſter deſſen, was ſie nicht ſein ſollte; nur die Wiſſenſchaft und die Kunſt, in deren Aus⸗ übung am Anfang des 18. Jahrhunderts Unfähigkeit und Schmeichelei um die Palme gerungen hatten, nahmen ſeit der Mitte deſſelben gleich dem Adler Friedrichs des Großen einen gewaltigen Aufſchwung, und in ihre Heiligtümer flüchteten ſich die Beſten des Volkes, um darin nichts von der kläglichen Außenwelt zu hören und zu ſehen, um dort Prieſter eines reinen freien Menſchen⸗ tumes zu ſein, eines ſolchen, wie es nach ihrer Meinung unter den Hellenen verbreitet geweſen wäre, und ſo konnte Leſſing, der Herakles unſrer Litteratur, der die welſche Schlange erwürgte, den Patriotismus ein Unding oder höchſtens eine heroiſche Schwachheit nennen, ſo konnte Goethe die unauslöſchliche Sehnſucht nach einer deutſchen Nationalität als ein Hirngeſpinſt verſpotten, ſo konnte Friedrich der Große von Schwaben an einen Berliner Freund ſchreiben:wir wollen dem Leibe nach Bürger unſerer Zeit ſein und bleiben, weil es nicht anders ſein kann, ſonſt aber und dem Geiſte nach iſt es das Vorrecht und die Pflicht des Philoſophen, wie des Dichters, zu keinem Volke und zu keiner Zeit zu gehören, ſondern im eigentlichen Sinne des Wortes der Zeitgenoſſe aller Zeiten zu ſein. Aber Schiller, der unter den Helden des Geiſtes den meiſten geſchichtlichen Sinn beſaß, fühlte am eheſten Argwohn gegen das Übermaß von Kosmopolitismus, der ſeinen großen Freund fühllos machte für Deutſchlands ärgſte Not. Lange Zeit bevor ſich Deutſchland unter dem franzöſiſchen Joche beugte, ſchrieb er an Goethe, daß es ebenſo unmöglich wie undank⸗ bar ſei, wolle der Dichter den vaterländiſchen Boden verlaſſen und ſich ſeiner Zeit ganz entgegenſetzen, und derſelbe Schiller ſprach als einer der erſten ſeine Abneigung gegen Bonaparte aus, als noch alle Welt ihn als den Bändiger der Revolution beweihräucherte. Er hörte ſchon die Ketten klir⸗ ren, in welche Er, der finſter wie die eherne Notwendigkeit auf ſeinem Throne ſaß, Europa ſchlagen ſollte, er fühlte bereits den Froſthauch der Tyrannei, der alles Schöne und Edle ein Greuel war, er ſah in ſeines Geiſtes Auge den gleißenden Kosmopolitismus des vaterlandsloſen Emporkömmlings ſich zur unerſättlichen Eroberungsgier entſtellen; und gewaltig das nationale Ge⸗ wiſſen rührend griff er in die Saiten, als er dem deutſchen Volke von dem Heldenmädchen von Orleans und dem Tell ſang. Und als ſein Mund für immer verſtummt war, ging ſein Geiſt mächtig um zur That der Befreiung wirkend. Doch erſt als die Wetterſchläge von Jena und Auerſtädt den Staat Friedrichs des Großen getroffen hatten, als die Adler des neuen Cäſar hochmütig von den Wällen preußiſcher Feſtungen herabſahen, als in dem einſtigen Kolonialgebiet

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