Aufsatz 
Isokrates, Machiavelli, Fichte : ein Essay / Jakob Engel
Entstehung
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dem Gedanken einer politiſch⸗nationalen Reform neue Nahrung. Die Mehrzahl der deutſchen Fürſten, von denen Luther damals noch als den Stützen ſeines Werkes abſah, die auch noch nicht ahnten, welchen Machtzuwachs ihnen das Luthertum verſchaffen werde, hatten aus Furcht vor den vermeintlichen ihnen gefährlichen Konſequenzen der neuen Lehre dem Wormſer Edikte beigeſtimmt, und dieſe Verachtung der nationalen Gefühle von Seiten der Häupter des Reiches in ſo geweihter Zeit ſchien das Maß ihrer Schuld zu füllen; allein die Verwandlung der deutſchen Republik von Fürſten mit einem gewählten Oberhaupte an der Spitze, wie Friedrich der Große das alte Reichs⸗ unweſen nannte, in eine Monarchie auf dem Wege gewaltſamer Revolution, wie ſie Ulrich von Hutten plante, erfolgte nicht: der Egoismus Franz von Sickingens, die Einſeitigkeit des einfluß⸗ reichen Reformators, die Furcht vor dem roten Geſpenſt ließen das Projekt elendiglich ſcheitern; die centrifugalen Kräfte überwogen die centripetalen mehr als je. Bald gab die Religion ſelbſt den Deckmantel ab für die partikulariſtiſchen Beſtrebungen der Territorialherren, welche denſelben auf Koſten des Reiches und ſeiner Sicherheit fröhnten. Der weſtfäliſche Friede heiligte die Anarchie zum zweiten Male. Angeſichts dieſer Zuſtände und in der Vorausſicht eines demnächſtigen fran⸗ zöſiſchen Angriffs ſchrieb Samuel von Pufendorf unter dem Pſeudonym des Severinus de Monzam⸗ bano ſeine berühmte SchriftDe statu imperii germanici. Eine abſolute Monarchie, ausgeübt von einem der größeren Reichsfürſten, nicht von Öſterreich, das die Simulacra inania des Kaiſer⸗ tumes nur dazu benutze, um Zwietracht zu ſäen und deutſche Kraft für ſeine undeutſche Familien⸗ politik auszubeuten, iſt ſein Ideal; aber nicht eine Monarchie, wie ſie das 17. Jahrhundert in Frankreich durch Richelieu errichten ſah, ſondern eine wie ſie unter den Ottonen und den ſaliſchen Kaiſern beſtand, wo unterthänige Gemeinweſen, die im Innern einige Selbſtändigkeit behaupten durften, den Be⸗ fehlen eines monarchiſchen Oberhauptes unterworfen waren. Er ſelbſt glaubte nicht an die Ver⸗ wirklichung ſeines Ideals, und ſo ſchien ihm blos noch eine Möglichkeit uͤbrig zu ſein für das Be⸗ ſtehen eines zuſammengeſetzten Staates, wie das Reich einer war: die Territorien des Reiches ſollten nach dem Muſter der Provinzialſtaaten der niederländiſchen Republik für ihre gemeinſamen Zwecke eine Bundesgewalt bilden, welche die einſtimmigen Beſchlüſſe der verbündeten Souveräne ausführte. Die Form des Bundesſtaates, d. h. die Unterwerfung unterthäniger Territorien unter eine ſouveräne Bundesgewalt, die unter Mitwirkung der Territorialgewalten gebildet wird, kannte Pufendorf ebenſo wenig wie irgend einer ſeiner Zeitgenoſſen; ebenſo wenig vermochte er trotz ſeiner nahen Beziehungen zum Sieger von Fehrbellin und trotzdem dieſer ähnliche Reformgedanken wie Pufendorf in ſeiner FlugſchriftAn den ehrlichen Deutſchen geäußert hatte, in dem branden⸗ burgiſchen Staate die junge Eiche zu erkennen, welche dereinſt ſchützend ihre Zweige über ganz Deutſchland breiten ſollte.

An eindringlichen Mahnungen zur Einigkeit fehlte es gerade jener Zeit am wenigſten. Von Oſten her drohte die Türkengefahr, und die Bedrohung der Kaiſerſtadt an der Donau erregte wohl eine Art Nationalgefühl; es ſchwand aber, ſobald die Woge des Islam aus den deutſchen Erblanden des Kaiſers wieder abfloß. Ein noch eindringlicheres Mene Tekel war die Eroberungs⸗ ſucht des allerchriſtlichſten Königs; aber teils die Sucht durch Ludwigs XIV Huld zu wachſen, teils der Glaube, Frankreich bilde ein natürliches Gegengewicht gegen die noch drohendere habsburgiſche Macht, ließ viele Glieder des Reiches mit ihren Wünſchen oder gar mit ihren Waffen an der Seite des Lilienbanners ſtehen. Selbſt der große Kurfürſt befand ſich einmal in ſolcher Verſuchung, er, welcher geſchrieben hatte,kein Engländer und kein Franzoſe ſoll über uns Deutſche gebieten; meinen Kindern will ich Degen und Piſtolen in die Wiege geben, daß ſie die fremden Nationen helfen aus Deutſchland abhalten. Dieſes Wort ſeines Ahnherrn erfüllte Friedrich der Große in gewiſſem Sinne; ſein Sieg bei Roßbach ließ die Herzen aller Deutſchen, auch derer im feindlichen Lager für ihn als den nationalen Helden höher ſchlagen, durch die Beſitznahme des alten Kolonial⸗ landes an der Weichſel trat er in die Fußtapfen jener ritterlichen Vorkämpfer deutſcher Kultur; aber es geſchah nicht mit nationalem Bewußtſein, und wie weit der große König entfernt war von der Ahnung an Preußens Miſſion, zeigte abgeſehen von der von ihm erfundenennation prussienne eine Denkſchrift aus dem Jahre des Fürſtenbundes. Darin wird unter dem Eindruck der Befürch⸗