Mann ſeiner Hoffnungen auch wirklich der Mann des Schickſals wäre, der zweite ſtarb in vergeb⸗ lichem Harren zur Zeit, als der Himmel Italiens am ſchwärzeſten war, aus Gram über wider⸗ fahrene Zurückſetzung, der dritte von ihnen verſchied in der Erfüllung ſeiner Miſſion mit der Ahnung, daß ſein Volk wie von einem zweiten Berge Nebo hinabſchaue ins Land der Freiheit, und mit dem ſtolzen Bewußtſein, er ſei es geweſen, welcher die Seinen zur Wanderung durch die Gefahren der Wuüͤſte mit Mut erfüllte.
In jener oben angedeuteten Schrift ſagte unſer patriotiſcher Philoſoph in Bezug auf die Erhebung des Jahres 1813„wer den gegenwärtigen Krieg nicht mitführen wird, wird durch kein Dekret dem deutſchen Volke einverleibt werden können“. Er hatte Recht: die Fürſten und Völker des Rheinbundes, die an der Seite Napoleons I gefochten hatten, empfanden ſich, in Partikularis⸗ mus ertränkt, nach wie vor noch lange, lange Zeit als das, was ſie geweſen waren, in erſter Reihe als Bayern, Württemberger und Sachſen und kaum zwei Jahrzehnte ſind verfloſſen, ſeitdem ſich das individuelle Stammesbewußtſein mit dem Gedanken des Deutſchtums verſchwiſterte, ſeitdem aus der chaotiſchen Vielheit von Staaten innerhalb Deutſchlands der deutſche Staat d. h. die geordnete Gewalt des ganzen deutſchen Volkes hervorging.
Die Worte des ſtreitbaren Philoſophen paſſen aber nicht minder auf gewiſſe Verhältniſſe desjenigen Landes, deſſen Geſchichte überhaupt für die unſere vorbildlich iſt. Ich meine damit die Zeit, wo Hellas in Gefahr war, von den Hunderttauſenden des Xerxes zertreten zu werden. In jenen Tagen ward, aus dem Kopfe des Themiſtokles entſprungen, der erſte Verſuch gemacht, die zahlreichen helleniſchen Stadtgebiete zu einem Staatenbunde zu vereinigen. Allein gerade wie zur Zeit unſerer Erhebung gegen Napoleon blieben die Staaten zweiten und dritten Ranges, wie Ar⸗ gos, welches ſich auf ſeine vermeintliche Stammverwandtſchaft mit den Perſern berief(Herod. VII. 150), wie Theben und das ſeemächtige Kreta, dazu die theſſaliſchen Duodezfürſten entweder gleichgültige Zuſchauer des Kampfes oder ſie hielten es gar mit den Barbaren. 1
Wie die Rheinbündler gingen auch ſie in Partikularismus auf, und deshalb ſtanden ſie, als die Sieger von Salamis und Platäa ſich mehr denn je zuvor für den Gedanken einer ſtaat⸗ lichen Vereinigung der Griechenſtämme begeiſterten, dieſen Beſtrebungen kalt gegenüber, um ſo mehr als die bisher nur inſtinktive Abneigung der beiden Vorkämpfer griechiſcher Unabhängigkeit zur bewußten Eiferſucht auf das gegenſeitige Anſehen wurde. Und ebenſowenig wie die glor⸗ reichen Waffenthaten in den Jahren 1813 und 1814 die gehoffte Einheit in den deutſchen Landen bereiteten, vielmehr die Kluft, welche die beiden Schildhalter Deutſchlands trennte, nur noch breiter erſcheinen ließen, trugen die Triumphe der vereinten Waffen Spartas und Athens nicht das Geringſte zur Verwirklichung jener auf dem Iſthmus von Korinth und auf dem böotiſchen Sieges⸗ feld gefaßten Vorſätze bei. Daſſelbe Gewicht, das zu Gunſten Oſterreichs in die Wagſchale fiel, als es ſich um die Wiederaufrichtung des Kaiſerthrones und die oberſte Kriegsherrſchaft handelte, die Tradition nämlich, daſſelbe mußte zu Spartas Gunſten ausſchlaggebend ſein, und wie für Preußens Führerſchaft in Deutſchland ſeine alles in den Schatten ſtellenden Thaten im Kampfe gegen Napoleon 1 ſprachen, ſo konnte auch Athen ſein tapfres Schwert als Gegengewicht gegen Spartas vererbten Ruhm in die Wagſchale werfen und die Hegemonie in dem in großer Stunde erträumten helleniſchen Nationalſtaat auf Grund ſeiner alles verdunkelnden Leiſtungen beanſpruchen. Auf jenem iſthmiſchen Kongreß hatten ſich die Athener um der gemeinſamen Sache willen der Hegemonie Spartas untergeordnet, ſie aber waren ſtets, gerade wie zu jener Zeit Preußen, das treibende Element geweſen, nicht nur als es ſich um die Verteidigung handelte, ſondern auch als es den Angriff, die Befreiung der kleinaſiatiſchen und Inſelgriechen galt, deren Bedrückung die Urſache des Dramas der Perſerkriege war. Und wie die öſterreichiſche Politik, ſelbſt nach der Leipziger Schlacht mehr als einmal mit dem Erbfeind liebäugelte, ſo verſcherzte Sparta durch ſeine Schlaffheit und durch die verräteriſchen Umtriebe ſeiner Kriegshäupter ſich namentlich die Sym⸗ pathie der eben Befreiten. Die Folge war, daß ſie Athen die Führung ihrer Seemacht anvertrauten und ein Sonderbund in der Föderation, die auf dem Iſthmus geſchloſſen worden war, entſtand. Solange den Kleinen unmittelbare Gefahr von den Perſern drohte, funktionierte die Bundesmaſchine


