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Du bist verläumdet, Herder, wie man hier glaubt, durch Göt- tingische Professors bey dem Königlichen Hofprediger Görling, der neulich von Göttingen nach London kam.
Räche dich nicht. Denn du weisst nicht was für herrliche Triumphe dir die Fürsehung noch bereitet. Du wirst durchdringen; Deutschland und England werden noch einst verstehen lernen wer du bist und was du bist.
Gott Lob, dass es dir indessen da wohl ist, wo du bist.
Den gestrigen Brief habe ich an niemand gelesen als an Frau von Löw, und Frau von Döring. Beyde fanden ihn herrlich. An Frau von Bremer habe ich mündlich daraus referirt, Sie sagte: Herder hat recht, rathen Sie aber um Gottes willen Mässigung. Herrn Brandes habe ich keinen Schatten von dem Briefe wollen sehen lassen, ihm aber mündlich gesagt dass Sie durchaus alle vorgeschlagene Bedinge verwerfen. Den Minister, Herrn von Bremer, habe ich gestern durch seine Gemahlin vorbereiten lassen. So eben schrieb ich an ihn was ich für nöthig fand, machte ihm einen Auszug aus dem gestrigen Briefe so sanft als möglich, aber Herders würdig.
lch bitte inständigst das Schreiben des Ministerii nicht un-— beantwortet zu lassen; eine freye, edle, nfännliche Antwort deucht mir rühmlicher. An Fierrn Brandes bitte ich gleichlautend zu antworten, weil er den Brief zeigen muss, und nicht zurück- halten kann, wie ich.
Lieber Verfolgter, und Verläumdeter, du kannst nicht grösser seyn, als du in meinen Augen bist.
Aber was war das für ein Einfall einen frankirten Brief dem Boten zu bezahlen? Einen Expressen bezahlet man immer bey der Rückkunft, also hatte er freilich von mir noch nichts. Aber wie konnte mir einfallen dass er bezahlet werden würde, wenn auf dem Brieſe stünde francol Einen Thaler und zwantzig Groschen bin ich also Eüer Hochwürden schuldig. Ich will meinen Buckel deinem gerechten Zorne nicht hergeben, Herr Super- intendent.
Was doch nun bey solchen Stürmen des Schicksals ein weib- licher Engel, wie deiner ist, für eine Segnung des Himmels seyn muss. Ach die letzte Stunde in Darmstadt erinnere ich mich noch gar zu gut! Da habe ich gefühlt was du an ihrer sanften lieben- den Brust anitzt erfährst. Tausend und tausend hertzliche Grüsse an Sie. Liebe Leute, wann ich König wäre, was wäre ich nicht für euch; liebet mich aber auch als einen armen unmächtigen Wurm.
G. J. Zimmermann.


