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ringſten Brüdern, das habt ihr mir gethan(Matth. 25, 40).— Aehnlicher und treuer, als ſich der Heiland ſelber mit dieſen wenigen Worten zeichnet, kann ihn Niemand ſchildern; und wie ſtellen ihn doch dieſe wenigen Worte als das vollendete, reine Ideal alles Menſchenlebens ſo ſiegend und licht vor unſere Seele hin! vollendet und rein nach ſeinem letzten Grunde und Halte, den er allein in ſeinem Gotte, ſeinem Vater findet; vollendet und rein nach ſeinem Weſen, das die freieſte, lauterſte und in⸗ nigſte Gottes⸗ und Menſchenliebe iſt; vollendet und rein nach ſeinem Ziele, das er in der Verherrli⸗ chung Gottes durch Erlöſung des menſchlichen Geſchlechts ſieht; vollendet und rein nach ſeinem gan⸗ zen friedevollen Sein, das ſich ſelig fühlt im Dienſte Gottes zu Gunſten aller, aller Brüder!— Die höchſte Majeſtät und die freieſte Größe wird in dem Leben unſeres Herrn und Heilandes zur liebendſten und reinſten, auch den kälteſten Sinn und das härteſte Herz überwältigenden Demuth; oder vielmehr die vollendetſte anbetungswürdigſte Größe iſt zugleich die kindlichſte und reinſte, herzgewinnendſte Demuth. Wer vernimmt das Wort von ihm, ohne ſich im innerſten Leben erſchüttert zu fühlen:»Alle Dinge ſind mir übergeben von meinem Vater; und Niemand kennet den Sohn, denn nur der Vater; und Niemand kennet den Vater, denn nur der Sohn und wem es der Sohn wird offenbaren. Kommet her zu mir Alle, die ihr mühſelig und beladen ſeid, ich will euch er⸗ quicken; nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin ſanftmüthig und von Herzen de⸗ müthig, ſo werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch iſt ſanft und meine Laſt iſt leicht! (Matth. 11, 27— 30.) Wer lieſt es ohne innerſte, tiefſte Bewegung des Gemüths, wenn uns erzählt wird:»Vor dem Feſte der Oſtern aber, da Jeſus erkannte, daß ſeine Zeit gekommen war, daß er aus dieſer Welt ginge zum Vater,... und wußte, daß ihm der Vater hatte Alles in ſeine Hände gegeben, .... ſtand er vom Abendmahle auf, legte ſeine Kleider ab, nahm einen Schurz und umgürtete ſich; danach goß er Waſſer in ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu waſchen, und trocknete ſie mit dem Schurze, damit er umgürtet war!«(Joh. 13, 1—5.)— Der unbedingteſte Gehorſam Chri⸗ ſti bis zur tiefſten Schmach und bis zum bitterſten Tode iſt zugleich die vollſte, bewußteſte, gottſe⸗ ligſte Freiheit:»Darum liebet mich mein Vater, daß ich mein Leben laſſe, auf daß ich es wieder nehme; Niemand nimmt es von mir, ſondern ich laſſe es von mir ſelber,« ſpricht er(Joh. 10, 17 u. 18). Der göttlich Heilige ſucht mit dem rührendſten Erbarmen überall das Verlorene, Zöllner und Sünder auf und nimmt ſie freundlich an und verkündet, daß im Himmel über einen Sünder, der Buße thut, mehr Freude ſein werde, als über neun und neunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen (Lucas 15, 7. 7, 36— 50). Alles menſchlich Individuelle iſt bei dieſem wahrhaftigen Gottes⸗ menſchen ſo ſcharf und ſo rein ausgeprägt: mit der treueſten, ſchmerzlichſten Liebe umfaßt er ſein Volk und weint über Jeruſalems furchtbares Loos(Lucas 19, 41); ſeine Volksgenoſſen vor Allen möchte er für das Himmelreich gewinnen und ſcheut ſich, lehrend und wirkend über die Grenzen Paläſtina's hin⸗ auszugehn(Matth. 15, 21— 28); ſeine Freunde ruhn an ſeinem Herzen(Joh. 13, 23); und noch im bittern Tode am Kreuze in dem Augenblicke, wo ihn das Gefühl ſeiner Verlaſſenheit von Gott übermannen will, weilt er in liebendem Schmerze bei dem Trauergeſchicke der verlaſſenen Mutter(Joh. 19, 26). Und wie tritt doch zugleich alles menſchlich Individuelle ſo völlig in den Hintergrund vor ſeinem die ganze Menſchheit in herzinnigſter, treueſter, göttlicher Liebe umfaſſenden Geiſt! Als er einſt in heiligem Zorne die Heuchelei und Herzenshärtigkeit der Schriftgelehrten ſeines Volkes ſtraft, theilt man ihm mit:„Siehe, deine Mutter und deine Brüder draußen fragen nach dir«; da antwortet er:»Wer iſt meine Mutter und wer ſind meine Brüder?« und indem er ringsum auf ſeine Jünger ſieht, ſpricht er:»Siche, das iſt meine Mutter, und das ſind meine Brüder; denn wer Gortes Willen thut, der iſt mein Bruder und meine Schweſter und meine Muttere(Marc. 3, 31— 35).


