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reich aufrichten, das ewiglich bleibt(Daniel 2, 44). Da, im Himmel, iſt nun von Ewigkeit her der Meſſias geweſen; von dort wird er in des Himmels Wolken wie eines Menſchen Sohn kommen, dem Gewalt, Ehre und Reich gegeben iſt, daß ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen ſollen(Da⸗ niel 7, 13, 14, 27). Als Weltenrichter wird er bezeichnet, vor dem alle heidniſchen Reiche alsbald in den Staub ſinken; der wahrhaftige Sohn Gottes wird er in vollerem, höherem Sinne, als Israel uand ſeine Könige(5 Moſ. 14, 1. 2 Moſ. 4, 22. Jeſaias 1, 2. 30, 1, 9), genannt. Als Mit⸗ herrſcher mit Gott erſcheint er ſitzend zur Rechten Gottes unter den Geiſtern der Erſte, Höchſte(Buch Henoch 48, 3, 6. 62, 7). Ja noch inniger und geiſtiger verbindet man ihn mit Gott als deſ⸗ ſen eigenſte, vollendete Offenbarung, als deſſen Weisheit, deſſen Wort, von Anfang an vor aller Welt ſchon bei ihm und mit ihm wirkend(Buch Henoch; vergl. Joh. 1, 1— 14)). Man ſieht, wie der Gedanke danach ringt, Gott als die Liebe zu faſſen; aber der Gedanke für ſich allein verſteht das Weſen der Liebe nicht; denn Liebe iſt volles, urſprüngliches Leben des Geiſtes; und fri⸗ ſche Urſprünglichkeit des innern Lebens fehlte eben den Juden unter ihrer Prieſter⸗ und Geſetzes⸗ herrſchaft.
So war denn auch geiſtig in der Welt der Juden Alles vorbereitet für ein Letztes, Höchſtes, Vollendetes. Beide nach Erkenntniß und Verwirklichung des wahrhaft Menſchlichen bewußter oder un⸗ bewußter ringenden Völkermaſſen, die eine, die dabei von Gott ausging mit dem Volke Israel an ih⸗ rer Spitze, die andere von der Natur und vom Menſchen ſelbſt ausgehend mit Griechenland und Rom als die höchſte Blüthe ihres Lebens, hatten ſich vielfach berührt und wechſelſeitig Lebenselemente von einander aufgenommen, ohne daß doch ihre Repräſentanten und namentlich die Juden, ihren Charakter und ihr eigenthümliches Lebensprinzip aufgegeben hätten; und beide waren an ein letztes Ziel gelangt, über das man nicht hinaus, und von dem man ſich doch auch nicht befriedigt fühlen konnte. Allge⸗ mein war das Gefühl des Elends in beiden, in Juden und Römern. Jene fühlten ſich verlaſſen von Gott und irre gemacht in ihren theuerſten Hoffnungen, die vergebens nach endlicher Verwirklichung ſuchten und rangen; dieſe fingen an zu verzweifeln an allem Höheren und Ewigen des Menſchenlebens. Allgemein war in dieſem Gefühle des Elends zugleich das Verlangen nach einem Neuen, das ſtockende Leben Erfriſchenden, das innerſte unverſtandene Verlangen des Menſchen wirklich Befriedigenden.— Da war die Zeit erfüllt, da ſandte Gott ſeinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Geſetz gethan, auf daß er die, ſo unter dem Geſetze waren, und die, ſo ſich ſelber ein Geſetz ſein ſollten(Röm. 2, 14), erlöſete, daß ſie die Kindſchaft empfingen(Gal. 4, 4 u. 5).—
In Chriſto erſchien in vollendeter herrlicher Wirklichkeit das Leben, wozu Gott den Menſchen ſchuf, und wonach das tiefſte Verlangen des Menſchen ſucht.
Ich will es nicht wagen, ein Bild von unſerm Heiland zu entwerfen. Jede Seite des Neuen Teſtaments vergegenwärtigt ihn uns reiner und lebendiger, als irgend eine Zeichnung auch des gereifte⸗ ſten Chriſten und des begabteſten Menſchen. Nur einige Grundzüge ſeines Lebens will ich aus der Schrift zuſammenſtellen.—„Wie der Vater das Leben in ſich ſelbſt hat, alſo hat er dem Sohne gegeben, das Leben zu haben in ſich ſelbſte(Joh. 5, 26);„»Ich und der Vater ſind Eins!“(Joh. 10, 30);»Das iſt meine Speiſe, daß ich thue den Willen meines Vaters und vollende ſein Werk⸗(Joh. 4, 34)3»Des Menſchen Sohn iſt nicht gekommen, daß er ſich dienen laſſe, ſondern daß er diene und gebe ſein Leben zu einer Erlöſung für Viele⸗(Matth. 20, 28);»Was ihr gethan habt einem unter dieſen meinen ge⸗
*) Ewald Geſchichte Chriſtus und ſeiner Zeit S. 68— 89.


