Aufsatz 
Nur das Christentum führt zu wahrer Humanität / vom ... Ballerstedt
Entstehung
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kehrt dann unter Cyrus, dem Jehovah das Herz erweckt hat für Israel(Esra 1, 1) ein Theil des Volks zurück in die heiß geliebte Heimath und bauet unter Widerſpruch und Kampf in Dürftigkeit und Noth den neuen Tempel. Aber Ohnmacht und Haltloſigkeit des äußern Lebens führen dieſe Wiederge⸗ kehrten nur um ſo ernſter und ſtiller zurück in die große Vergangenheit ihres Volks und man ſucht in Geſetzestreue und Geſetzeseifer unter Prieſterherrſchaft den Halt zu gewinnen, der dem äußern Leben fehlt. Jahrhunderte der Ruhe ſind einem ſolchen Streben günſtig. Da trifft des Antiochus Epiphanes unvernünftiger Verſuch, dem auch im äußern Leben wieder neu erſtarkten Volke Gottes griechiſche Sitte und Religion aufzuzwingen, den innerſten Lebensnerv dieſes Volks und ruft alle ſeine zähe Energie zum todesmuthigſten und grimmigſten Kampfe auf. Und das Volk ſiegt und gewinnt für ein Jahrhundert eine neue, wenn auch dürftige äußere Selbſtſtändigkeit unter Prieſterfürſten. Nun aber wird es von der alles beſiegenden Macht des gewaltigen Römerreichs erfaßt; zwei Völker, von denen ein jedes den zuver⸗ ſichtlichſten Glauben hegt, zur Herrſchaft der Welt berufen zu ſein, zwei ſolche Völker von ſo völlig verſchiedenem, ja entgegengeſetztem Lebenstriebe, wie Juden und Römer, treffen jetzt auf einander. Da iſt für das politiſch ſo ohnmächtige Volk Gottes keine andere Wahl, da gilt es den Untergang oder den Sieg durch den Geiſt!.

Daß nur auf geiſtig⸗ſittlichem Wege die Herrſchaft Israels über alle Völker der Erde her⸗ beigeführt werden könne, das lag von Anfang an in den tiefſten, wenn auch von der Menge völlig un⸗ verſtandenen Ahnungen des Volkes Gottes verborgen. Von ſeinen früheſten Anfängen an geht unter ihm die Sage, daß einſt Einer erſcheinen werde, der allem Ungehorſam gegen Gott und allem aus die⸗ ſem Ungehorſam entſtandenen Elende in der Menſchenwelt ein Ziel ſetzen werde: ein vom Weibe Ge⸗ borener werde der Schlange(der Sünde) den Kopf zertreten, wenn ſie ihn auch in die Ferſe ſtäche(1 Moſ. 3, 15). Eben in dieſem Einen von Gottes Gnade Verheißenen, aus Israel hervorgehen⸗ den Geſalbten Gottes finden denn auch die heißeſten und zuverſichtlichſten Hoffnungen des israe⸗ litiſchen Volkes auf Verwirklichung der Gottesherrſchaft in der Menſchenwelt in allen Zeiten ihren Mit⸗ telpunkt und ihre höchſte Spitze(1 Moſ. 12, 3. 18, 18; vergl. Joh. 8, 56. 1 Moſ. 49, 10). Seit Davids glänzender Regierung, einer Regierung im Geiſte der Gottesherrſchaft, und ſo augenſchein⸗ lich der Ausbreitung derſelben günſtig, wiegt man ſich in der Hoffnung, ein König wie David, nur mächtiger, herrlicher, und beſonders geiſtig mächtiger, ſittlich größer noch, werde dieſer Geſalbte ſein, durch den Gott ſeinem Geſetze den Sieg ſchaffen würde über alle Völker(Hoſea 3, 5. Amos 9, 11. 1 Kön. 11, 39). Ein hohes, reines, leuchtendes Bild dieſes Geſalbten ſtellt dann der königliche, gott⸗ geweihte Sinn des Jeſaias in prophetiſchem Schauen vor die Augen ſeines Volkes hin: Wunderbar, Rath, Kraft, Held, Ewig⸗Vater, Friedefürſt iſt der Name dieſes erſehnten Sproſſes aus Iſais Stamme (Jeſ. 9, 6, 7); der Geiſt des Herrn wird auf ihm ruhen, der Geiſt der Weisheit und des Verſtandes, der Geiſt des Rathes und der Stärke, der Geiſt der Erkenntniß und der Furcht des Herrn; er wird mit dem Stabe ſeines Mundes die Erde ſchlagen und mit dem Oden ſeiner Lippen den Gottloſen töd⸗ ten; Gerechtigkeit wird der Gurt ſeiner Lenden ſein und der Glaube der Gurt ſeiner Nieren(Jeſ. 11, 1 5). Und mit ſeinem innerſten Leben hält Israel die Züge dieſes hehren Bildes feſt. Aber immer verwirrter und ohnmächtiger wird das äußere Daſein des Volkes Gottes; alles Volksthümliche Israels wird endlich von den Heiden völlig in den Staub getreten; die Herrſchaft eines Königs wie David ſcheint nie wiederkehren zu können, wie ſoll man des Größeren, Gewaltigeren hoffen? Da rettet man das innerſte, unverlierbarſte Heiligthum des Lebens dahin, wo es von aller, auch der größeſten ir⸗ diſchen Macht nicht erreicht werden kann: in den Himmel. Da, im Himmel, erſteht nun von Neuem, und herrlicher und ſicherer denn je, alles auf Erden Verlorene; vom Himmel aus wird Gott ein König⸗