Aufsatz 
Nur das Christentum führt zu wahrer Humanität / vom ... Ballerstedt
Entstehung
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ausſöhnen müſſen, hatte die Vortheile, die dem Siege der Gottesherrſchaft der rechte menſchliche Kö⸗ nig zu ſchaffen fähig war, kennen gelernt, hatte aber, angeſehn und mächtig unter den Nachbarvölkern, wenig Veranlaſſung, ſeine zukünftige Herrſchaft über die Völker der Erde als eine geiſtige und ſittliche Macht zu erkennen. Könige, die der Gottesherrſchaft, die dem göttlichen Berufe des Volks entſchieden feindlich waren und handelten, hatten dann über das Reich der zehn Stämme geherrſcht; nur um ſo zuverſichtlicher hatte man die Hoffnung Israels auf das Reich Juda übertragen und in ihm genährt. Auch in Juda beſtiegen abgöttiſche Könige den Thron und führten ihr Regiment in heidniſcher Weiſe; aber gegen den urſprünglichſten Trieb und Geiſt ihres Volks vermochten ſie nichts; auch im Gegen⸗ ſatz zu den eigenen Königen wußte und lernte der Kern des Volks unter Führung ſeiner Propheten ſich das innerſte Heiligthum ſeines Lebens zu bewahren, und umfaßte es nur mit um ſo heißerer Inbrunſt. Geiſtiger geſtalten ſich in ſeiner äußern Ohnmacht und ſeiner innern Zerriſſenheit die Vorſtellun⸗ gen von ſeinem Vorzuge vor allen andern Völkern; man fängt an, ihn vornehmlich in ſittli⸗ chen Gütern, in aufrichtiger Buße, in treuem Gehorſam gegen Gott zu finden(Joel 2, 12 u. 13; 3, 1. Amos 8, 11 u. 12). Geiſtiger werden die Bedingungen, unter denen die Gottes⸗ herrſchaft bei dem Volke Israel ſelbſt befeſtigt und über die Völker der Erde ausgebreitet werden ſoll: durch Ausgießung des Geiſtes Gottes über alle Knechte und Mägde, ähnlich wie über die Propheten(Joel 3, 1), durch die Predigt des Worts vom Herrn unter allen Heiden (Amos 9, 12), ja vor dem abtrünnigen auserwählten Volke wird ſich Gott der Heiden erbarmen: alle Heiden ſollen herzulaufen, und viele Völker hingehn und ſagen: Kommt, laßt uns auf den Berg des Herrn gehn, zum Hauſe des Gottes Jakobs, daß er uns lehre ſeine Wege und wir wandeln auf ſeinen Steigen; denn von Zion wird das Geſetz ausgehn und des Herrn Wort von Jeruſalem; da werden ſie ihre Schwerter zu Pflugſchaaren und ihre Spieße zu Sicheln machen(Jeſ. 2, 15). Geiſtiger ge⸗ ſtaltet ſich die Vorſtellung von Gott, ſeine Gnade und Barmherzigkeit wird mehr hervor⸗ gehoben: Und wenn eure Sünde gleich blutroth iſt, ſoll ſie doch ſchneeweiß werden, ſpricht der Herr bei Jeſaias 1, 18; Hoſea 2, 19 u. 20; Joel 2,13. Ezechiel 18, 21 u. 22. Da wird auch der Reſt des Volks aus dem heimiſchen, den Vätern ſchon verheißenen Lande hinweggeführt in heidniſche Gefan⸗ genſchaft und ſein Tempel wird der Erde gleich gemacht; denn auch unter heidniſchen Herrſchern und unter heidniſchen Gräueln ſoll dieſes auserwählte Volk lernen, ſein höchſtes Gut, den Glauben an ſeinen welthiſtoriſchen Beruf ſich zu wahren und mehr und mehr zu vergeiſtigen. Und es wahrt daſ⸗ ſelbe nicht nur und iſt zuverſichtlich überzeugt, ob auch ein Weib ihres Kindes vergäße, daß ſie ſich nicht erbarmete über den Sohn ihres Leibes, wird doch der Herr ſeines Volkes nicht vergeſſen(Jeſ. 49, 14 u. 15); ſondern es ſucht auch immer mehr in ſich ſelbſt zu finden, was ihm das äußere Leben nimmt oder verſagt, und dringt tiefer ein in die Geheimniſſe der Erziehung des menſchlichen Geſchlechts durch Gott. Daß durch Leiden der»Knecht Jehovah's«, der»heilige Reſte in Israel vollendet werden müſſe für ſeinen welthiſtoriſchen Beruf, der große, ſittlich tiefe, wahrhaft befreiende und alles Elend in Herrlich⸗ keit verklärende Gedanke wird durch ſeine Propheten ein Gemeingut des ernſteren, beſſeren Theils des Volkes im Exil(Jeſaias Cap. 52 u. 53). Trotz allen ihren Götzendienſtes ſieht man ſich und dem al⸗ lein wahren Gotte die Heiden näher gerückt und inniger verbunden und lernt ſie als Erben einer und derſelben Hoffnung, eines und deſſelben Heils mit Israel anſpruchsloſer anerkennen; ja Prieſter und Leviten werde Jehovah aus ihnen nehmen, weiſſagt Jeſaias(66, 21; 65, 1, 15). und hat auch der Herr Jeruſalem zum wüſten Lande gemacht, darinnen Niemand wohnt(Jerem. 6,8): Siehe, ſpricht er durch den Propheten, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde ſchaffen, daß man der vorigen nicht mehr gedenken wird noch zu Herzen nehmen(Jeſaias 65, 17). In ärmlichen Zügen