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unter ſich aufkommen zu laſſen. Barbaren waren ihnen ſelbſt die Römer noch, als die Griechen ſchon ihre Sclaven waren. Nur ſie, die Griechen, ſind nach ihrer Meinung fähig, das wahrhaft Menſch⸗ liche zu erfaſſen und darzuſtellen; allen andern Völkern fehlt, zwar nicht die Beanlagung zu dieſem Menſchlichen, aber doch weſentlich der Sinn, die Fähigkeit und das Geſchick, dieſe Beanlagung auszu⸗ bilden und im Leben zu verwirklichen.— Und was als Charakter des ganzen Volks ſich ſo beſtimmt zeigt, von dem haben ſich auch die größten Geiſter dieſes Volks, ſelbſt ein Plato und ein Ariſtoteles, in denen die ganze Welt griechiſcher Bildung auch nach ihrem Ahnen zum tiefſten und klarſten Bewußt⸗ ſein kommt, nicht frei gemacht; ſie bleiben Griechen, was an ſich ja wahrlich nicht zu tadeln wäre, aber ſie bleiben weſentlich d. h. ausſchließlich Griechen, und zwar nicht bloß in ihrem Denken und Thun im praktiſchen Leben, ſondern auch in ihren philoſophiſchen Syſtemen. Natur und Geiſt erſcheinen auch bei ihnen noch nicht in ihrem weſentlichen Unterſchiede und eben deshalb auch nicht in ihrer wahren Einheit; der Geiſt wird auch von ihnen nech nicht begriffen als die alleinige Macht von Allem, als das wirklich allein Allgemeine, Freie, Perſönliche, und die Natur nicht als die formelle und zugleich reale Möglichkeit der Beſonderung(der Offenbarung) des Geiſtes zur ſichtbaren Welt; und eben deshalb kommt weder der Geiſt zu ſeinem vollen Rechte, noch wird auch nur die Na⸗ tur in ihrem wahren, guten Rechte erkannt.— Ja, in wahrhaft großartiger, tiefſter Ahnung der Wahr— heit ſpricht Plato es aus, daß Gott, die an und für ſich allgemeine und ewige Vernunft, nicht neidiſch ſei; daß aus dem Guten nimmer der Neid geboren werden könne; daß die Welt ein Abbild des ewigen Vorbilds der Vernunft ſei; daß die Gottheit das Höchſte, die Vernunft, der Seele mitgetheilt und dieſe dann mit Körperlichem und Sinnlichem zuſammengeſchloſſen habe; daß der Menſch fähig ſei, Alles in der Idee, d. h. der allgemeinen Vernunft gemäß, zu erkennen nicht bloß als etwas Wahres, Schö⸗ nes, Gutes, ſondern als das Wahre, Schöne, Gute. Aber— Gott iſt auch ihm nicht Schöpfer der Welt, ſondern nur ihr Ordner; die Materie ſteht neben Gott als dunkeler Hintergrund, als von ihm undurchdrungene ſelbſtſtändige Maſſe, deren er nicht völlig mächtig iſt. Der Menſch iſt nicht Gottes Geſchöpf, ſondern ein Produkt finſterer Naturgewalt, welche die Menſchen in den verſchiedenen Ländern zugleich oder nach und nach aus dem Boden des Landes hervorgehn läßt.— Wenn aber Gott ſelbſt nicht wahrhaft freie Perſönlichkeit iſt, ſondern die Materie noch irgendwie ſelbſtſtändig neben ſich hat, ſo kann auch der Menſch nicht weſentlich freie Perſönlichkeit ſein, mag Gott auch noch ſo neidlos ihm ſein eigenes Leben mittheilen; wenn die Stammväter der Völker als dem Boden ihres Landes entſproſ⸗ ſen und alſo gleichſam mit ihm verwachſen gedacht werden, ſo erſcheint auch der Menſch nicht als ein von der Natur zwar beſtimmtes, aber doch weſentlich von ihr freies Geſchöpf; ſo muß alſo auch der Ge⸗ danke einer weſentlichen Einheit aller Menſchen ſehr fern liegen.— Noch beſtimmter aber treten die Schranken, die auch den Geiſt eines Plato noch hindern, der Humanitätsidee ihren vollen, beſtimmten Inhalt zu geben, in ſeiner Lehre vom Staate hervor. Der Staat, der ideale Staat, wie er ihn in ſeiner Politeia darſtellt, ſoll die Verkörperung der Idee an ſich d. h. der Gottheit ſein; aber nicht der Staat, ſondern die Welt iſt die Verkörperung Gottes.— Ferner aber bleibt dieſer Staat trotz aller ſeiner Idealität doch weſentlich ein griechiſcher Staat, und auch Plato kennt kein Mittel, in den Barbaren die Vernunft zu Leben und Bethätigung zu bringen; ja in ſeinem Politikos zweifelt er ſehr daran, ob ſelbſt die Menge des griechiſchen Veolks je fähig ſein werde, Geſetz und Recht unverbrüch⸗ lich zu halten; alſo ſelbſt unter den Griechen iſt er geneigt Schranken zu ſehn, und zwar unüberwind⸗ liche Schranken, die der Verwirklichung der weſentlichen Einheit Aller entgegen ſtehn. Und das wird uns auch leicht begreiflich, wenn wir bedenken, daß Plato eigentlich nur die Philoſophie, allerdings aber eine lebenvolle Philoſophie, für die höchſte Höhe menſchlicher Ausbildung hält, und daß nach ſeiner


