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als eines Gliedes der Einheit der Menſchheit, ſein wahres Weſen, das freie Perſönlichkeit iſt, fäs ſich und alle andern Menſchen immer mehr zu verwirklichen.—
Ich habe abſichtlich alle kirchlich dogmatiſchen Begriffe von dieſer Erklärung fern gehalten; eine De⸗ finition von Humanität mit Worten der Schrift würde einfacher und allgemeiner verſtändlich ungefähr ſo lauten: Sie iſt die reinſte Kindesliebe des Menſchen zu Gott, die ſich in der thätigſten Bruderliebe zu den Menſchen bewährt; oder noch kürzer: ſie iſt der treueſte Kindesgehorſam gegen Gottes Gebot nach dem Vor⸗ bilde Chriſti; allein wir wollen mit unſerer Betrachtung für jetzt noch auf neutralem Boden ſtehen blei— ben und müſſen deshalb dahin ſehn, daß unſere Erklärung ſo wenig als möglich von irgend einer Seite angefochten werden könne.— Aber wir fragen nun: Will denn das Chriſtenthum etwas Anderes ſein, als dieſe Humanität?— Man kann dieſe Frage mit Ja und Nein beantworten. Jal das Chriſten⸗ thum will etwas Anders ſein; es will nämlich das wirklich ſein und hat das wirklich ſchon, wonach „die Humanität« ohne Chriſtenthum auch ohne rechten Halt und ohne rechtes Ziel ſucht und ſtrebt. Und: Nein! das Chriſtenthum will nichts Anderes ſein, als das iſt, wonach die Humanität ſucht und ſtrebt; man umfaßt Weſen und Zweck des Chriſtenthums völlig, wenn man ſagt: es will alle geiſtigen und ſittlichen Anlagen und Kräfte des Menſchen in freier Entwickelung zu reiner Erſcheinung und Voll⸗ endung führen; es will rein-menſchliches, Geiſtes und Gottes würdiges Weſen immer mehr verwirkli— chen und zur Geltung bringen in Verhalten und Sitte der Menſchen, in Inſtitutionen und Zuſtänden des gemeinſamen und geſellſchaftlichen Lebens; es will alle Menſchen zu wirklich freien Perſönlichkei⸗ ten heranbilden und einigen zu einer großen heiligen Gemeinſchaft auf Grund des Geiſtes und im Ge— horſam gegen den Geiſt, welcher der lebendige, perſönliche Gott iſt. Noch mehr: erſt durch das Chri⸗ ſtenthum und allein durch das Chriſtenthum hat der abſtracte und unbeſtimmte Humanitätsgedanke, wie er zuerſt in humanitas auftaucht, ſeinen vollen Inhalt und mit ihm ſeine ſchärfſte Beſtimmtheit, ja ſeine vollendete, herrlichſte Verwirklichung im Leben der Menſchheit gefunden, nämlich im Le— ben Jeſu Chriſti, des Gottes⸗ und Menſchenſohnes, des reinen Gottesmenſchen.
Schauen wir auf einen Augenblick hinein in die Geſchichte der Menſchheit!— Daß die Ahnung ſeines wahren Weſens von Anfang an in dem Menſchen irgendwie lebendig war und nach ihrer Ver— wirklichung unmittelbar geſucht und gerungen hat, das verſteht ſich wohl von ſelbſt. Von Anfang an mußte das wahre, ewige Weſen des Menſchen keimartig, oder beſſer, lichtartig die Hülle ſeines ſinnlich— natürlichen Lebens irgendwie durchbrechen und ſich nach und nach auch äußern und eine wenn auch für⸗ erſt noch unſichere Geſtaltung gewinnen in den einfachſten Verhältniſſen des Lebens, des Gatten zur Gat⸗ tin, der Eltern zu den Kindern, des Beſchützers zu dem Beſchützten, der Familie zur Familie, der Ge⸗ noſſenſchaften zu Genoſſenſchaften, des Freundes zum Freunde, des Menſchen zu einem Letzten, Höch⸗ ſten, von dem er ſich abhängig fühlt. So ſchildert uns denn auch im Allgemeinen die erſten Menſchen die älteſte ſchriftliche Urkunde der Menſchheit, die heilige Schrift der Chriſten.— Ein helleres Licht durchdringt dieſe Ahnung eines weſentlich Menſchlichen, Höheren in allen Menſchen in den Zeiten, wo nach und nach die Sagen auftauchen von einem früheſten goldenen Zeitalter, von einer ſe— ligen, nun verlorenen, Unſchuld der Menſchen, von einem beglückenden Verkehr derſelben mit den Göt— tern ſelber.— Die Familien ſind erweitert zu Gemeinſchaften, Völker ſind gebildet, Staaten entſtehn; aus dem maſſenhafteren Gewühle und Kampfe des Lebens treten Reiche hervor, breiten ſich aus, zerthei⸗ len ſich und verſchwinden. In tauſend Kämpfen hat die Natur die Kraft des Menſchen geübt; das äußere Leben gewinnt an Glanz und Reichthum; Beobachtung, Einſicht und Wiſſenſchaft geſtaltet den Boden der Länder um; Götter und Geſetze und Sitten werden von einem Volke dem andern aufge⸗ drungen; der Glaube an einen heiligen Gott, den Schöpfer Himmels nnd der Erden, dem alle Welt


